Ersatzkraftwerkebereithaltungsgesetz

Ersatzkraftwerkebereithaltungsgesetz – ein deutsches Wortungetüm. Was aber bedeutet es? Es bedeutet, die 15% Anteil von Erdgas an der Stromversorgung durch Kohle zu ersetzen. Da wir inzwischen 50% erneuerbar sind, bedeutet es, dass 30% der fossilen Stromerzeugung von Gas auf Kohle umgestellt werden können. Und da wir richtigerweise am Atomausstieg festhalten, wird es noch mehr sein. Mindestens 30% mehr Kohle bedeuten also mindestens 15% mehr CO2-Emissionen – wahrscheinlich eher über 20% im Stromsektor.

Warum wollen wir das tun? Nun – um den Krieg in der Ukraine zu stoppen. Jens Stoltenberg sagte heute in Davos: „Freiheit ist wichtiger als Freihandel.“ Dem ist zuzustimmen, Aber ist Freiheit auch wichtiger, als die Lebensgrundlagen für die Freiheit? Eine Beschleunigung des Klimawandels kann uns sehr schnell in extreme Notlagen bringen, welche das Ende aller Freiheit bedeuten.

Was ist der Sinn, wenn wir ein Ersatzkraftwerkebereithaltungsgesetz beschliessen, um Gas aus Russland zu ersetzen um damit unsere freiheitliche Rechtsordnung zu schützen – wenn wir auf der anderen Seite die Grundlagen für ebendiese Rechtsordnung, nämlich Stabilität und Sicherheit, schneller verlieren als wie heute noch glauben? Wie hoch das Risiko ist, weiss niemand – aber egal wie hoch es ist: es ist zu hoch, weil endgültig.

Nach allem was wir über Energie und Klima wissen, müssten wir eine Lösung finden, um noch eine möglichst kurze Zeit mit billigem Gas zu überbrücken. Wenn uns das nicht gelingt, beschleunigen wir nicht nur den Klimawandel, sondern nehmen uns auch die wirtschaftliche Stärke, die Energiewende zu stemmen. Ein Dilemma!

Vor einer solchen Entscheidung standen wir noch nie. Kappen wir die wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland, steigern wir den CO2-Ausstoß und riskieren das Ganze. Gleichzeitig schwächen wir unsere Wirtschaft und andere Kontinente werden sich die russischen Ressourcen preiswert sichern. Aus unserer Sicht auch keine gute Idee im doppelten Sinne – mehr CO2 weltweit und weniger Nationaleinkommen bei uns. Und damit auch weniger Freiheit.

Wer kennt die Lösung?

Mit Ideen gegen die Gaslücke

Forscher der TU Berlin haben angesichts der Erdgaskrise eine schlagkräftige Antwort entwickelt: Der gaserzeugende Bürostuhl! Prosumer mal ganz anders. Hier im Bild:

Super bequem, grün und krisenfest – der Bürostuhl, der jedes Gramm Methan auffangen kann von Prof. Dr. Predetch aus Berlin

Bekanntermaßen erzeugen nicht nur Kühe Methan – auch Menschen sind dazu in der Lage. Professor Predetch erklärt dazu: „Natürlich ist die Methanerzeugung des Menschen normalerweise gering, aber sie lässt sich durch reichlichen Genuß von Zwiebeln und Bohnen deutlich steigern!“

Er rechnet vor: 50% eines Furzes sind Methan und Wasserstoff – also nicht nur bestes Erdgas, sondern sogar der Zukunftskraftstoff H2. Und bekanntlich: Darmwinde sind dann ein Gasüberschuss von etwa 0,5 bis 1,5 Litern pro Tag, der nicht auf diesem Weg den Körper verlässt (Wikipedia). Diese Menge lässt sich durch Ernährungsumstellung etwa verfünfzigfachen – wir kommen dann ca. auf 50 Liter pro Tag mit einem Energiegehalt von 0,25 kWh.

Man muss also lediglich die Hälfte der Bevölkerung mit Büroarbeiten betrauen (was kein langer Weg mehr wäre), um so jährlich 3 Milliarden Kilowattstunden grüner Energie bereitstellen zu können. Das wäre ein erheblicher Beitrag zum Ersatz des russischen Erdgases – gut ein halbes Prozent der fehlenden Energie könnten so leicht ersetzt werden. 😉

Öl und Erdgas ersetzen – aber wie?

1.700.000.000.000 kWh (1.700 Milliarden) Erdgas importiert Europa aus Russland. Fast ein Drittel davon importiert allein Deutschland. Dazu kommen Öl und Kohle. Wie weiter? Eine Liste der erneuerbaren Möglichkeiten für Deutschland…

Platz 1: Ein schnellstmöglicher Umstieg auf E- und H2-Mobilität innerhalb von sehr sportlichen 10 Jahren würde die fast 700 Mrd. kWh fossilen Energieverbrauch im Verkehr auf Null senken – 40% unseres Öls kommen aus Russland. Es lassen sich so 32 Mrd. kWh pro Jahr ersetzen. Selbst wenn ein Teil dieser Energiemengen aus Erdgas aus anderen Ländern hergestellt würde, wären die CO2-Emissionen immer noch deutlich geringer als heute, da E- und H2-Mobilität unter 25% des Energiebedarfes unserer heutigen Mobilität hat.

Platz 2: Der von der Bundesregierung angestrebte schnelle Ausbau erneuerbarer Energie führt zu einem Zubau von 40 Mrd. kWh pro Jahr – ca. 8% der deutschen Erdgasimporteur aus Russland, wovon allerdings mindestens die Hälfte dem Stromsektor zuzurechnen ist – es bleiben maximal 4% für den Erdgasersatz p.a. – es dauert also 25 Jahre oder 20 Mrd. kWh p.a..

Platz 3: Die etwa 250 Mrd. kWh Erdgas, die für Heizzwecke eingesetzt werden, könnten, ebenfalls sehr sportlich, innerhalb von 15 Jahren durch Wärmepumpen ersetzt werden. Anzustreben würden dabei Wärmepumpen-Brennstoffzellen-Kombinationen (H2-KWK), um auch in Zeiten von Strommangel heizen zu können und gleichzeitig Strom zu erzeugen. Auch hier gilt: selbst wenn ein Teil des benötigten Stromes noch aus Erdgas anderer Länder gewonnen würde, sänken die CO2-Emissionen aufgrund es hohen Wirkungsgrades der H2-KWK. Jährlich wären so 17 Mrd. kWh Gas aus Russland ersetzbar.

Platz 4: Deutschland regelt derzeit 6 Mrd. kWh Windenergie ab (Tendenz schnell steigend), die aber via Windwärmespeicher als Heizenergie Öl und Gas ersetzen könnten.

Platz 5: Wir stellen heute 2,5 Mt/a an Ammoniak in Deutschland her. Dafür benötigen wir ca. 25 Mrd. kWh Erdgas. Diese Menge Ammoniak kann innerhalb von 5-10 Jahren als grüner Ammoniak importiert werden, siehe z.B. Hyphen. Das ergibt bis zu 5 Mrd. kWh Minderung p.a.

Insgesamt ist also ein jährliches Ersatzpotenzial für Erdgas aus erneuerbaren Quellen von bis zu 80 Mrd. kWh machbar, so dass nach etwa sieben Jahren keine Abhängigkeit mehr von russischem Erdgas besteht.

Nord Stream 2 hat Sinn: für Grünen Wasserstoff

Nord Stream 2 und die Weitertransport-Pipelines NEL, OPAL und EUGAL haben viel Geld gekostet. Sind sie nun nutzlos? Nein!

Jede Leitung eignet sich wunderbar für den Transport von Wasserstoff aus Mecklenburg, Brandenburg und aus der Ostsee in den Süden Europas – dahin wo Energie benötigt wird.

Wer von den erneuerbaren Stromerzeugern ist dabei? Die Leitungen tragen bis 15 Gigawatt Energie – es braucht schon eine grosse Menge an Elektrolyse, um solche Leitungen vollständig mit Wasserstoff zu betreiben. Mit 2 GW Elektrolyse könnte man starten. JETZT ist die Gelegenheit.

Eine Umwidmung der sonst unnützer Leitung zu Wasserstoff aus erneuerbaren Energien kann aus einem Projekt der Vergangenheit ein Zukunftsprojekt machen.

Wer kann entlang der Gasleitungen Elektrolyse aus erneuerbarem Strom im 100-MW-Bereich kurzfristig mit aufbauen? Mail an enertrag@enertrag.com mit Betreff „North Stream 2 für Wasserstoff“

Wir legen los.

Energieverbrauch und Stromerzeugung

Oft ist zu hören, der Energieverbrauch sei um 3% gestiegen, wenn eigentlich nur die Stromerzeugung gemeint ist. Dabei ist es völlig richtig, das bis 2050 der Stromerzeugung jährlich um ca. 3% steigen wird, während der Energieverbrauch aber um jährlich 4% sinken wird. Wieso?

Vorstehendes Bild zeigt schematisch, was geschehen wird: die Stromerzeugung wird sich etwa verdoppeln und dabei vollständig erneuerbar werden. Gleichzeitig verringert sich der Energieverbrauch auf ein Drittel, weil einerseits die immensen Verluste des fossilen Energiesystems (Kühltürme, Auspuffe, Schornsteine), welche die Hälfte der eingesetzten Energie vernichten, entfallen und andererseits durch Dämmung und Energiesparen weitere 15% Energie nicht mehr benötigt werden.

Einige Beispiele: während ein Kohlekraftwerk einen Energieeinsatz von 3 kWh für 1 kWh Strom benötigt, hat eine Windkraftanlage nahezu keine Verluste. Wo ein Benziner 8 Liter Treibstoff, also 80 kWh pro 100 km benötigt, braucht ein Stromauto nur 20 kWh. Eine alte Ölheizung hat nur 80% Wirkungsgrad gegenüber einer Kombination aus Wärmepumpe und Brennstoffzelle, welche bis 300% Wirkungsgrad aufgrund der Nutzung der Umweltwärme erreicht.

Das eigentliche „Wunder“ der Energiewende ist also garnicht die vordergründige Beobachtung, dass die Energiequellen zu Wind und Sonne werden, sondern dass der Wirkungsgrad des gesamten Energiesystems sich von 75% Verlusten zu 75% Effizienz um sozusagen 180 Grad dreht.

Alle Einzelheiten dazu auf ENERTRAG.org.

Die Energiepreise explodieren

Zwölf Jahren lang sanken die Energiepreise infolge ungehemmter Kohleverstromung aus alten Kraftwerken und günstigen Erdgases immer weiter nach unten. Dazu trugen auch die Erneuerbaren Energien bei, weil diese in Europa nicht am Strommarkt teilnahmen, sondern gesondert vergütet wurden und am Markt wie Anbieter zum „Preis Null“ auftraten.

Kaum aber wurde der Kohleausstieg in Europa (und fast zuletzt in Deutschland) klar absehbar und begannen die Geldgeber den fossilen Energien den Hahn abzudrehen, drehte sich der Wind: Wenn Investitionen in fossile Energie nicht mehr getätigt werden, staatliche Förderungen ausbleiben, wird eine Ausweitung des Abbaus und der Nutzung fossiler Energieträger unmöglich. Der Bedarf nach Energie aber ist noch hoch – und plötzlich sieht man den wahren Preis des Raubaus. Die Strom- und Gaspreise vervielfachen sich. Der Ölpreis strebt einem neuen Hoch zu. Das ganze wird durch das Wegbrechen der Kernenergie und durch den Wasserstoff-Hype verstärkt. Damit ist endgültig klar, dass Erneuerbare Energie sich durchgesetzt hat – denn deren Kosten sind nicht nur die letzten zehn Jahre stark gesunken, sondern werden auch weiter sinken. Nur gilt es, den Ausbau maximal zu beschleunigen, damit diese geringen Kosten schnell bei den Kunden ankommen.

Eine direkte Folge der Preiswahrheit am Markt: EEG-Umlage 2022 beträgt nur 3,7 ct/kWh und hat sich damit halbiert. Das macht den Weg zur kompletten Abschaffung dieser ohnehin nur in die Irre führenden Umlage frei, denn die Politik tut sich deutlich leichter, eine kleine Restumlage aus Steuermitteln zu finanzieren, als die bisherigen grossen Beträge. Die Umlage hatte entgegen fast allem, was immer öffentlich kommuniziert wurde, mit den Kosten von Windenergie an Land praktisch nichts zu tun: sie besteht bis heute fast nur aus den Geldern für Biomasse und Offshore sowie über alter Photovoltaik vor dem Preisverfall bei Solarstrom.

EEG-Umlage halbiert

Die Energiepreise explodieren – 12 Jahren lang sanken die Energiepreise infolge ungehemmter Kohleverstromung aus alten Kraftwerken und günstigen Erdgases immer weiter nach unten. Dazu trugen auch die Erneuerbaren Energien bei, da sie fossilen Strom verdrängten.

Kaum aber wurde der Kohleausstieg in Europa klar absehbar, wurde Erdgas mit CO2-Abgaben belastet – begannen die Geldgeber den fossilen Energien den Hahn abzudrehen. Und schon dreht sich der Wind: Wenn Investitionen in fossile Energie nicht mehr getätigt werden, staatliche Förderungen ausbleiben, werden Abbau und Nutzung fossiler Energieträger unmöglich. Der Bedarf nach Energie aber ist noch hoch – und plötzlich sieht man die wahren Preise des Raubaus. Die Strom- und Gaspreise vervielfachen sich. Der Ölpreis strebt einem neuen Hoch zu. Das ganze wird durch das Wegbrechen der Kernenergie und durch den Wasserstoff-Hype verstärkt. Damit ist endgültig klar, dass Erneuerbare Energie sich durchgesetzt hat – denn deren Kosten sind nicht nur die letzten zehn Jahre stark gesunken, sondern werden auch weiter sinken. Nur gilt es, den Ausbau maximal zu beschleunigen, damit diese geringen Kosten schnell bei den Kunden ankommen. Gleichzeitig ist erneuerbare Energie die grösste Energiesparmaßnahmen der Geschichte, was die Menschen weiter stark von Kosten entlasten wird.

Die direkte Folge der Preiswahrheit am Markt: EEG-Umlage 2022 beträgt nur 3,7 ct/kWh und hat sich damit halbiert. Das macht den Weg zur kompletten Abschaffung dieser ohnehin nur in die Irre führenden Umlage frei, denn die Politik tut sich deutlich leichter, eine kleine Restumlage aus Steuermitteln zu finanzieren, als die bisherigen grossen Beträge. Die Umlage hatte entgegen fast allem, was immer öffentlich kommuniziert wurde, mit den Kosten von Windenergie an Land praktisch nichts zu tun: sie besteht bis heute fast nur aus den Geldern für Biomasse und Offshore sowie über alter Photovoltaik vor dem Preisverfall bei Solarstrom.

Wahr bleibt aber auch: die EEG-Umlage hat nichts mit dem Strompreis zu tun. Die Summe aus Umlage und dem Börsenpreis für Strom war seit 2009 kaum verändert. Das Absinken der EEG-Umlage, welches überwiegend durch steigende Strompreise verursacht wurde, wird wiederum genau dadurch ausgeglichen. Viel wichtiger als die Preisdiskussion wird die Kostenfrage – und diese hängt vor allem an der Menge unseres Energieverbrauches, den erneuerbare Quelle auf ein Drittel absenken.

Energiepolitik nach der Bundestagswahl

Was ist dringend in der Energiepolitik? Eine Zusammenfassung.

1. Unser Land braucht Begeisterung für das Zukunftsprojekt Energiewende.

2. Gesetzlich festlegen: Die Errichtung von Anlagen zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien liegt im öffentlichen Interesse, dient der öffentlichen Sicherheit und dem Erhalt und Schutz der Umwelt.

3. Ein Zubau von 20 GW Solarenergie und 7 GW Windkraft pro Jahr muss schnell erreicht werden. Parallel muss ein Hochlauf der Wasserstofferzeugung von mindestens 50% des erneuerbaren Zubaus erreicht werden.

4. Es müssen schnell mindestens 2% Fläche für Windkraft bundesrechtlich festgelegt werden – am besten dadurch, dass jedes Bundesland maximal 20% seiner nicht urbanen Flächen als Ausschlussflächen festlegen darf. Der Rest gilt dann als für die Energiegewinnung geeignet.

5. Verbot aller pauschalen Abstandsvorgaben für Energievorhaben. Da bestehende Recht bietet genug Schutz.

6. Eine Verpflichtung, neue Freiflächenphotovoltaik vorrangig dort zu planen, wo sie an bestehende Netzanschlüsse von Windkraftanlagen angeschlossen werden können. So kann der Netzausbau sinnvoll begrenzt werden.

7. Anerkennung der Tatsache, dass Windkraftanlagen die Population von vieler Art Tieren, insbesondere Vögeln, grundsätzlich stärken. Das Vorhandensein dieser Tiere darf Windenergie solange nicht entgegengehalten werden, wie keine eindeutige Gefährdung der Population nachgewiesen werden kann.

8. Vollkommene Freistellung von allen Belastungen, Messanforderungen und Regelungen für die Selbstversorgung mit Energie (Prosumer) ohne Leistungsbegrenzung bei gleichzeitiger Sicherstellung, dass Prosumer angemessene Preise für Netz und gesicherte Leistung zahlen, aber auch angemessene Preise für Leistungen, welche sie für das Energiesystem erbringen, erhalten. Die EEG-Umlage auf Eigenverbrauch muss sofort gestrichen werden. Das Bürokratiemonster „Messen und Schätzen“ hinter dem Netzanschluss muss gänzlich abgeschafft werden.

9. Anhebung des CO2-Preises auf mindestens 60 € je Tonne CO2 bei zügiger Steigerung mit dem Ziel, dass Grüner Wasserstoff schnell billiger als Erdgas werden muss. Dem entspricht ein CO2-Preisziel von etwa 200 € je Tonne. Die Erlöse aus dem CO2-Preis sollen für ausschliesslich dem Ausbau erneuerbarer Energien, der Abschaffung der EEG-Umlage, sowie der Mehraufwands-Kompensation für die Bürger aufgewandt werden, welcher derer bedürfen – im Rahmen eines für den Endver­braucher wirksamen und sichtbaren Rückverteilungsmechanismus.

10. Stopp der Netzentgeltbefreiung für Elektrolyse. Diese stellt einen immensen volkwirtschaftlichen Fehlanreiz dar, da Gastransport viel billiger als Stromtransport ist. Eher käme eine Gasnetzentgeltbefreiung für Wasserstoff in Frage.

11. Überall von Windkraftanlagen stehen dürfen grundsätzlich neue Anlagen auf derselben Fläche errichtet werden, sofern es nur weniger sind, als zuvor (Ersatzbau).

12. Neue Heizungen müssen CO2-frei sein. Vorhandene Heizungen müssen spätestens nach 20 Jahren Lebensdauer auf CO2-frei umgestellt werden.

13. Wärmenetze, welche ihre Energie aus Großwärmespeichern, die mit Windenergie gespeist werden beziehen, müssen überall dort, wo genug Windkraft in der Nähe ist, Vorrang vor allen anderen Heizungen erhalten.

14. Erneuerbarer Strom muss billig werden – im Gegenzug müssen alle CO2-lastigen Energieformen teurer werden als erneuerbare Energie. Dafür braucht es ein neues Energiemarktdesign.

Erneuerbare Energien und Wasserstofferzeugung sind räumlich untrennbar

Siehe auch energate messenger

Grüner Wasserstoff hat im Energiesystem zwei Aufgaben: Er befreit es von Kohlendioxid und er macht Strom speicherbar. Ein Energiesystem aus erneuerbarem Strom und Wasserstoff erreicht Wirkungsgrade von bis zu 80 Prozent – im Unterschied zu Kohle, Öl und Gas, deren Nutzung bis zu 80 Prozent Verluste mit sich bringt. Eine zentrale Frage aber bleibt: Wo wird der Wasserstoff erzeugt?

Am einfachsten scheint es, Wasserstoff dort zu erzeugen, wo er benötigt wird. Dann bräuchte man weder Gasleitungen noch Tanks. Doch dies scheitert aus mehreren Gründen: Wasserstoff muss gespeichert werden, um die natürlichen Fluktuationen der erneuerbaren Stromerzeugung auszugleichen. Die Speicherung wird umso günstiger, desto größer und zentraler die Speicher sind. Demzufolge muss der Wasserstoff also in Rohrleitungen gespeichert und verteilt werden. Und der Gastransport durch Gasleitungen kostet weniger als ein Zehntel des Stromleitungstransports. Bereits daraus ergibt sich, dass Wasserstoff dort in großen Mengen erzeugt werden muss, wo auch erneuerbarer Strom gewonnen wird.

Kurze Direktleitungen sind vorteilhaft

Dabei wird das öffentliche Stromnetz zur Wasserstofferzeugung nicht gebraucht. Die höchste Sicherheit, die Redundanz und die Stabilität des öffentlichen Netzes zeichnen die hohe Qualität des Stromnetzes aus, machen es aber auch sehr teuer. Für die Elektrolyse hingegen genügen kurze und günstige Direktleitungen. Zudem ist die grüne Eigenschaft des Wasserstoffs auf einfachste Weise gewährleistet, wenn der Strom aus Windkraft- und Solaranlagen stammt, die direkt mit den Elektrolyseuren verbunden sind. Im günstigsten Fall sollte deshalb jeder größere Erzeugungsstandort erneuerbarer Energien sowohl mit dem Stromnetz als auch mit dem Gasnetz verbunden sein.

Hinzu kommt, dass Wasserstoff bei hohem Wind- oder Solarenergieangebot erzeugt werden muss, um seiner Ausgleichsfunktion gerecht zu werden. Wird aber im Norden viel Strom produziert, kommt dieser bereits heute nicht durch die Netzengpässe in den Süden. Stattdessen wird er abgeregelt, während fossile Kraftwerke im Süden hochfahren. Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht, da die vier Übertragungsnetzbetreiber bereits jetzt im Entwurf des Netzentwicklungsplans eine mehrjährige Ausbauverzögerung anzeigen. Den Strom zum Wasserstoffverbraucher zu bringen, ist deshalb nicht nur viel teurer, sondern erzeugt auch mehr CO2 und verschärft kritische Netzsituationen.

Auch Wissenschaftler zeigen in einer aktuellen Studie, dass die stromerzeugerferne Wasserstoffproduktion die Kosten des Netzengpassmanagements und damit die Netzentgelte um elf Prozent bzw. 6,8 Mrd. Euro nach oben treibt. Im Gegensatz dazu können Elektrolyseure in der Nähe von erneuerbarer Stromerzeugung Netzengpässe und Redispatch vermeiden. Die Elektrolyse in der Nähe der Stromerzeugungsanlagen ist somit deutlich günstiger als in der Nähe von Wasserstoffabnehmern. Die Studie zeigt dementsprechend, dass eine stromerzeugernahe Lösung bis zu 24 Prozent der Netzkosten und 1,4 Mrd. Euro auf Seiten der Stromkunden sparen kann. Um die richtigen wirtschaftlichen Anreize zu setzen, sollte deshalb darüber nachgedacht werden, Elektrolyseure vorrangig und entschädigungsfrei in den Redispatch zu integrieren.

Zügige Umwidmung redundanter Gasleitungen

Bleibt die Frage, wie die Energie zum Wasserstoffverbraucher kommt: Die zügige Umwidmung redundanter Erdgasleitungen in Wasserstoffleitungen und die Einspeisung ins Erdgasnetz werden ebenso benötigt wie neue Wasserstoffleitungen. Gasnetzbetreiber planen, die ersten großen Leitungen ab 2025 auf Wasserstoff umzustellen. Zeitlich passt das gut zum Realisierungshorizont der ersten großen Elektrolyseprojekte und der Umstellung großer Industrieunternehmen auf Wasserstofftechnologien. Bei einer sinnvoll aufeinander abgestimmten Strom- und Gasnetzplanung ist es deshalb viel schneller und günstiger, Wasserstoff durch Rohrleitungen zu transportieren als auf den Stromnetzausbau zu setzen.

Wenn Wasserstoff bei den Windkraft- und Solarstromerzeugern hergestellt wird, entlastet er das Stromnetz von Fluktuationen, spart massiv Kosten beim Netzausbau und sorgt für die Speicherfähigkeit des Energiesystems. Deshalb gehen wir davon aus, dass die EU und die Bundesregierung Wasserstoff nur dann als grün definieren werden, wenn die Elektrolyse in der Nähe von Wind- und Solarstrom stattfindet. Und das so schnell wie möglich, um Fehlinvestitionen in Elektrolyseure zu verhindern, die Netzengpässe verstärken und auf Strom aus fossilen Energiequellen angewiesen sind.

Über die Ehrlichkeit

Als Wissenschaftler lernst du, gnadenlos ehrlich zu sein. Alles muss sich beweisen lassen. Du kannst nichts Neues und nichts Wichtiges herausfinden, wenn du zu dir oder zu anderen nicht ehrlich bist. Du musst immer das Richtige sagen, das was du gesehen hast. Und du musst es einordnen in den großen Kontext unseres Seins. Dabei musst du alle Relationen zu einander verstehen und richtig bewerten. Und du darfst nicht an dich selbst denken zuerst.

Doch was sehen wir jeden Tag rings um uns herum?

Daimler-Benz will Windenergie nutzen, um ihre Fabriken klimaneutral zu machen. Doch was sind diese paar Prozent, welche in den Fabriken an Energie verbraucht werden, im Verhältnis zu der Energie, welche die Fabrikate verbrauchen? Nichts.

Die Gasindustrie sagt uns seit Jahren: „Gas kann Grün“. Nun – das ist genauso, als wenn der berühmte Mafiosi Dir sagen würde: „Ich kann gut.“

Die großen Strom Netzbetreiber sagen uns seit Jahren: „Wir brauchen mehr Netz.“ Warum sagen sie nicht: „Wir wollen mehr Geld verdienen?“ Denn sie bekommen eine vom Staat garantierte Verzinsung für jeden Euro, den sie investieren. Und sie jammern und gehen rechtlich gegen den Staat vor, wenn dieser ihre Verzinsung von 9 auf 7 % senkt.

Und wir haben in Deutschland ein Bundeswirtschaftsministerium, welches dafür gesorgt hat, dass jahrelang Zahlen über Infraschall aus Windkraft verbreitet wurden, welche eine über ein tausendfach höhere Schallintensität angaben, als wissenschaftlich bewiesen tatsächlich vorliegt.

Ein bewährter Trick der alten Energiewirtschaft ist: ein kluger Kopf im Verband der Energiewirtschaft schreibt Hinweise für die Öffentlichkeitsarbeit an alle Verbandsmitglieder. Darin steht unter anderem: auch in diesem Jahr ist es wieder wichtig zu betonen wie teuer die Energiewende sei, belegt mit einigen Pseudobeweisen aus der Portokasse. Das veröffentlichen dann viele Unternehmen, Stadtwerke und Betriebe. Journalisten wiederum nehmen diese Informationen auf und gleichen sie pflichtgemäß mit anderen Quellen, also anderen Unternehmen der Energiewirtschaft, Stadtwerken und solchen Betrieben ab. Da nun viele dasselbe sagen, muss es stimmen. Also wird es als Wahrheit gedruckt. Eine Wahrheit hinter der ein einziger Stratege, nennen wir ihn Lügner, steckt.

Ich hatte in den letzten Jahren das Vergnügen, an vielen Besprechungen mit Vertretern unserer Industrie und Wirtschaft teilzunehmen. Oft ist da eine unheimliche Mischung wahrzunehmen, die aus gefährlichem Halbwissen und Geld verdienen zu müssen, besteht.

Da werden mit der Begründung „Energiewende“ Subventionen gefordert, die das Gegenteil bedeuten: denn Wasserstoff aus Kohlestrom herzustellen, ist gewiss nicht sinnvoll. Es wird aber, natürlich nicht so direkt, gefordert. Ebenso sinnlos ist es, Wasserstoff aus Wasserkraft, Biogas oder anderen gespeicherten Energien herzustellen – es ist alles einfach nur verlustreiches Umspeichern ohne Nutzen. Aber jeder will bei Wasserstoff mitmachen und fordert das ein, was er gerade so kann.

Da finden sich Übertragungsnetzbetreiber, welche die Tatsache, dass es immer öfter mehr erneuerbare Energie als Stromnachfrage gibt, sich vergolden lassen wollen. Ihre Idee des Sektortransformators besagt, dass sie auf Kosten der Stromkunden riesige Elektrolyseure bauen dürfen, welche dann von Unternehmen, gern auch zu negativen Preisen, gepachtet werden können, um Wasserstoff herzustellen. Statt das Potenzial von Wasserstoff wirtschaftlich nutzbar zu machen, sollen alle Kunden dafür zahlen, dass Wasserstoff als Abfallprodukt gilt. Ich bin froh, dass es uns, dass es ENERTRAG gemeinsam mit einigen Verbündeten, insbesondere Greenpeace Energy, gelungen ist, diesen Wahnsinn zu stoppen.

Und wie ehrlich ist es, wenn immer wieder gefordert wird, die Bürger und Gemeinden sollten doch von den, angeblich so teuren, Erneuerbaren Energien auch noch profitieren? Vor allem, wenn dieselben Politiker, die dies verlangen auf der anderen Seite nichts dafür tun, dass mit Erneuerbarer Energie auch gut bezahlte Arbeit aufs Land kommt. Dieselben Leute verhindern auch, dass dort, wo die Energie billig erzeugt wird, sie auch zu niedrigem Preis genutzt werden kann. Warum ist es denn unmöglich, den Anliegergemeinden den Strom zu Gestehungskosten zu liefern? Warum ist Windwärme denn teurer als Erdgas, obwohl sie weniger kostet?

Die Antwort auf diese Fragen ist immer dieselbe: Weil andere, alt eingesessene Unternehmen genau davon leben, dass es nicht anders ist. Jetzt aber, wo der Ausstieg aus fossiler Energie fast erdrutschartig vor sich geht und all die Lügen ans Licht kommen, ist die Not groß.

Wir aber ist eine junge Gemeinschaft. Wir sind keine Industrie, die um Privilegien kämpfen muss. Lasst uns also diesen Vorteil nutzen: seit ehrlich bei allem, was Ihr tut. Verlasst Euch auf das was Ihr seht, was Ihr verstehen und messen könnt. Glaubt nie an ein Immer-Weiter-So, denn nichts hat Bestand – ausser der Ehrlichkeit.

Wer die Wahrheit spricht, dem gebührt Ehre. Egal ob Ehrlichkeit, Honesty, Честность, Integralność oder Intégrité – gemeint ist immer dasselbe.

Ehrlichkeit muss bei uns an erster Stelle stehen – und ich denke, das ist auch weitgehend an dem. Wo es nicht so ist, sprecht es offen an, nichts und niemand ist perfekt.

Das gute Gefühl zusammen zu gehören, weil wir ehrlich sind, das ist für uns sehr wichtig. Da Menschen ein gutes Gespür dafür haben, gibt es kaum etwas, was uns allen mehr hilft. Dazu möchte ich Euch alle ermutigen.

Denn was jetzt sehr schnell auf uns zukommt, wird eine riesige Aufgabe – plötzlich redet auch die Politik von Ehrlichkeit, plötzlich müssen überall mehr Flächen ausgewiesen werden mit viel schnelleren Genehmigungsverfahren, ohne Höhenbegrenzungen und mit reduzierten Abstandsforderungen. Ich bin überzeugt, dass hier die gewinnen, die als ehrlich längst bekannt sind.