Windwärmespeicher – wie weiter?

Noch ist der Windwärmespeicher Nechlin der erste und bislang letzte seiner Art. Das wirft Fragen auf.

1) Der Windwärmespeicher in Nechlin ist ein weithin bekanntes Modell, das seit 2019 zuverlässig alle Erwartungen erfüllt. Zugleich gibt es sehr viele Dörfer, die grundsätzlich ähnliche Voraussetzungen wie Nechlin aufweisen. Warum gibt es keine Nachfolgeprojekte?

Bis 2022 war es wirtschaftlich nicht sinnvoll möglich, Windwärmespeicher zu betreiben, da auf den Wärmepreis zusätzlich die EEG-Umlage zu entrichten war, was die Wärmekosten verdoppelt hätte. Dieser Grund ist 2022 mit dem Wegfall der EEG-Umlage entfallen und tatsächlich wird seitdem an Nachfolgeprojekte gearbeitet, die aber kaum vor 2026 gebaut werden – denn die Planung eines Wärmenetzes braucht Zeit.

2) Wird es aufgrund der inzwischen geltenden gesetzlichen Verpflichtung, dass alle Kommunen eine kommunale Wärmeplanung machen müssen, eine verstärkte Nachfrage nach ähnlichen Konzepten wie in Nechlin geben?

Ja, das ist sehr wahrscheinlich, denn bisher ist noch niemand mit einer preislich günstigeren Lösung hervorgetreten. Natürlich müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen es zulassen und es darf auch keine Verzerrungen dadurch geben, dass andere Technologien aufgrund von Förderungen künstlich günstiger gerechnet werden als Windwärmespeicher.

Hier ist anzumerken, dass letzteres derzeit unsinnigerweise noch der Fall ist: Wärmepumpen und Erdwärme sind komplett in großem Umfang förderfähig – bei Windwärmespeichern aber gilt das nur für den Speicher selbst, aber nicht für die Wärmeerzeugung und andere Nebenanlagen, so dass hier bereits eine Marktverzerrung vorliegt.

3) Ist das Nechlin-Projekt auch heute noch als „Blaupause” für andere Dörfer anzusehen? Oder was würde man heute eher anders machen?

Das Grundkonzept, Energiemengen, welche selten anfallen in Form von Wärme zu speichern und dann über längere Zeiträume zu nutzen, wird als Grundlage erhalten bleiben. Es sind aber Kombinationen mit Abwärmequellen sinnvoll, z.B. aus grüner IT oder Wasserstoffgewinnung. Auch Kombinationen mit Großwärmepumpen sind gut denkbar, um die Reichweite der Speicher zu erhöhen.

Und in Abhängigkeit vom notwendigen Temperaturniveau im Wärmenetz ergeben sich weitere Einsparmöglichkeiten – denn wenn die benötigte Temperatur kleiner wird, kann derselbe Speicher mehr Energie speichern bzw. es reicht ein kleinerer Speicher aus.

Wenn erst einige tausend solcher Speicher in Betrieb sind, dann wird sicher klar sein, wie die besten Lösungen aussehen – denn vieles muss man schlicht ausprobieren.