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Wasserstoff – na klar, aber wie?

Mit diesem Patent von Gerd Otto aus dem Jahr 1986 wurde die Energiewende erstmals machbar – eine Großwindkraftanlage mit einem Wasserstoffspeicher im Turm.

Doch kaum ein Mensch kümmerte sich ein halbes Menschenleben um diese bahnbrechende Technologie. Bis plötzlich heute alle von Wasserstoffstrategie reden. Erstaunlich!

Und nun, nach soviel verlorener Zeit soll alles ganz schnell gehen. Die Industrie, die solange geschlafen und CO2 ausgestoßen hat, schreit nach Fördermitteln und Befreiungen von allen und jeden Lasten.

Dabei braucht es für einen Wasserstoffmarkt nur wenige ganz einfache Randbedingungen und keinerlei Förderung: 1. einen fairen CO2-Preis auf alle Energieträger, 2. die Kopplung aller Steuern, Abgaben und Umlagen an die CO2-Emissionen und 3. die Weiterentwicklung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes zu dem was sein Name sagt: Energien und nicht nur Strom.

Die aktuellen Überlegungen, die Wasserstoffgewinnung durch noch mehr Ausnahmen, Förderungen und weiteres Verbiegen des Energierechts anzuschieben sind dagegen alle kontraproduktiv. Wir haben bereits ein mit Ausnahmen und Fördertatbeständen überfrachtetes Energierecht – noch weiter zu gehen, das wäre wie auf dünnem Eis soweit zu gehen, bis man einbricht.

Insbesondere die Idee, die Besondere Ausgleichsregelung (BesAR), also die Regelung, welche der Industrie billigen Strom zulasten der Gemeinschaft verschafft, auf Wasserstoff auszuweiten, ist völlig untauglich. Warum?

1. Die BesAR dient der Kompensation von Wettbewerbsverzerrungen deutscher Unternehmen im Strommarkt durch die EEG-Umlage. Der Grund für die Befreiung der Wasserstoffwirtschaft von Umlagen aus der Stromwirtschaft ist aber ein anderer: die Strommengen für die Sektorkopplung verdrängen keinen anderen Stromverbrauch, sondern fossile Wärme und Treibstoffe.

2. Die BesAR sieht keine Absenkung auf 0% der EEG-Umlage vor – eine Wasserstoffwirtschaft braucht aber eben genau das: Null Laste – denn sonst kann sie gegen Erdgas und Heizöl nicht bestehen.

3. Die BesAR verlangt Selbstbehalt für einer Million Kilowattstunden. Genau das wäre aber für die meisten Wasserstoffprojekte, die sich direkt an Wind- oder PV-Anlagen befinden, eine erhebliche Belastung. Nur Großprojekte, welche massive die Netz belasten (der Kosten wiederum die Allgemeinheit trägt) würden profitieren.

4. Die Beantragung der BesAR erfordert die Offenlegung der Zahlen des Vorjahres. Genau das aber ist für neue H2-Projekte unmöglich, denn es gibt kein Vorjahr. Eine Projektfinanzierung ist somit nicht machbar und ohne diese gibt es kein Projekt.

5. Aber es kommt noch schlimmer: die BesAR wird immer nur jahresweise gewährt – damit kann man keine Bank zu einem Kredit über 20 Jahre bewegen. Aber ohne Kreditsicherheit gibt es auch keine Wasserstoffprojekte.

6. Wenn es eine „Elektrolyse-BesAR“ geben sollte, bei der alle vorgenannten Probleme durch viele neue Sonderregelungen beseitigt werden – dann wäre eine konkrete Regelung z.B. in § 61l EEG viel einfacher und besser. Die Anforderung müssten sein: Nur grüner Strom, Zeitgleichheit der Erzeugung dieses Stromes und seiner H2-Umwandlung und dabei entweder über eine Direktleitung oder über ein Netz ohne Engpässe – also bei optimaler Systemdienlichkeit,

Also wenn wir uns einig sind, dass wir die glücklicherweise vorhandenen Überschüsse aus Wind und PV über Wasserstoff nutzbar machen wollen, dann brauchen wir jetzt eine Lösung dafür, die keine neuen Ausnahmen und Fördertatbestände schafft.

Diese Lösung muss sein: Keine Steuern, Abgaben und Umlagen auf Energie, welche eingespeichert wird, incl. der damit verbundenen Verluste und Hilfsenergien. Dabei ist völlig gleichgültig, was der Speicher ist – Wasserstoff, Wasser, Akkumulatoren, Kondensatoren, Druckluft oder was auch immer.

So einfach wäre die Lösung.

Wasserstoffstrategie

Eines sollte klar sein: der Wandel von der Verbrennung fossiler Rohstoffe zur Nutzung von Windkraft und Sonne geht mit dem Verlust der fossilen Speicher einher: Kohlehalden, Öltanks und Erdgasspeicher wird es nicht mehr geben.

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Aber kein Energiesystem funktioniert ohne Speicher – wir Menschen haben dafür den Magen, die Erde hat die Ozeane. Und was ist der Speicher in einem erneuerbaren Energiesystem? Nun, unschwer zu erraten: Wasserstoff. Dieses Gas ist leicht aus Strom zu gewinnen, kann gut durch Leitungen transportiert werden und kann Brennstoffzellen in Fahrzeugen und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen versorgen. Und unsere Industrie benötigt davon grosse Mengen.

Wasserstoff ist der ideale Speicher für erneuerbare Energie. Nun fragt es sich, warum die jüngste Besetzung des Wasserstoffrates unter Ausschluss von Vertretern der erneuerbaren Unternehmen und Verbände erfolgte. Die Besetzung erfolgte sogar äußerst intransparent: Verbände sowie die Arbeitsebene in BMWi, BMU und BMF wussten selbst letzten Montag noch nicht, wer dem Rat angehören wird. Nun sind es nur Vertreter der alten Energiewirtschaft bzw. Industrie. Wie war das mit dem Bock, den man zum Gärtner machte?

Und schon beginnt das Geschwafel von „wir können den Wasserstoff nicht in Deutschland gewinnen, denn so viele Windkraftanlagen können wir hier nicht bauen…“ Wer das sagt, hat sich nie mit den tatsächlichen Verhältnissen befasst. Es ist nämlich so, dass eine vollständig erneuerbare Stromversorgung, wie wir sie hierzulande erreichen wollen, nur möglich ist mit einem Ausbau der erneuerbaren Erzeugung auf etwa 200 Gigawatt Windkraft und 600 Gigawatt Solarenergie. Und das geht übrigens mit 30.000 Windkraftanlagen – soviel wie wir heute schon haben, nur sind sie etwas größer.

Dabei fallen aber aufgrund der natürlichen Schwankungen von Wind- und Solarenergie ganz grob 600 Mrd. Kilowattstunden Energie (die Hälfte der Erzeugung) an, denen keine Strombedarf entgegensteht. Wollen wir diese Energie nicht abregeln und vernichten, dann müssen wir sie zu großen Teil Wasserstoff einspeichern (und zu einem kleinen Teil in Heizwärme). Wenn wir aber diese Energiemenge als Wasserstoff nutzbar machen, dann brauchen wir keinen Wasserstoff importieren – so einfach ist das.

Entweder Import und teuere Abregelung – oder Herstellung im Inland ohne Abregelung. Letzteres dürfte billiger sein.

Entscheidend ist für all das nur, dass es gleiche Bedingungen für alle Energien pro deren CO2-Emissionen gibt. Wenn es gelingt, diese zu schaffen, dann werden sind Windenergie (an Land), Solarstrom und Wasserstoff ganz von selbst als die preiswertesten Energiequellen bzw. Speicher durchsetzen.

Und noch ein Exkurs zu den neue Wasserstoffarten, welche der Lobbyismus der Fossilen hervorgebracht hat: 

– Grauer Wasserstoff: Grauer Wasserstoff basiert auf dem Einsatz von fossilen Kohlenwasserstoffen – davon haben wir zuviel und der muss weg

– Blauer Wasserstoff: Als blauer Wasserstoff wird Wasserstoff bezeichnet, dessen Erzeugung mit einem CO2-Abscheidungs- und Speicherungsverfahren gekoppelt wird – das ist aus der Reihe „wer´s glaubt wird seelig“. Es gibt einfach keine nachweislich erprobten Verfahren, um CO2 über Millionen Jahre zu speichern – und die kann es auch nicht geben, weil solche Zeiträume weit über dem Erfahrungsschatz der Menschheit liegen. 

– Türkiser Wasserstoff: Als „türkiser Wasserstoff“ wird Wasserstoff bezeichnet, der über die thermische Spaltung von Methan (Methanpyrolyse) hergestellt wurde – nun, das ist auch nur grauer Wasserstoff, also CO2.

– Grüner Wasserstoff: Grüner Wasserstoff wird durch Elektrolyse von Wasser hergestellt, wobei für die Elektrolyse ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien zum Einsatz kommt. 

Ist es nicht verdächtig, wenn Grüner Wasserstoff zuletzt genannt wird?

 

Geschichte des Windwärmespeichers

Am 16. Februar 2020 ist wieder mal Energiewetter: Mit Windgeschwindigkeiten über 8 Meter pro Sekunde bläst der Wind über die Äcker, hunderte Windräder speisen immer mehr Strom ins Übertragungsnetz von 50Hertz. Doch im 150 Kilometer entfernten Berlin ist wie überall im Land Wochenende. Um 6:35 Uhr sendete der Betreiber der Stromnetze dann das Signal: Abregelnzunächst bis auf Null, ab 7:05 Uhr dann auf 9.000 Kilowatt. Die Leistungsregelung auf der Warte in Dauerthal steuert entsprechend auch einige Anlagen, die sich nördlich des Dorfes Nechlin drehen. Doch heute ist etwas ganz anders als sonst: die Anlagen bleiben endlich nicht mehr stehen, sie laufen weiter, aber im Netz kommt der Strom nicht an.

Abregeln – das geht jedem Stromerzeuger gegen die Ehre. Die Energie wird schließlich gebraucht – nur fehlt es überall an den dafür nötigen Speicher. Aber an diesem Sonntag konnten sich erstmals trotz der großräumigen Abregelungen einige Anlagen im Windfeld Nechlin weiterdrehen.

Vom Windfeld aus wurde ein 800 Meter langes Stromkabel durch den Acker bis ins Dorf verlegt. Es endet an einem hausgroßen grünen Zylinder. Das ist der Wärmespeicher. Eine Millionen Liter heißes Wasser sind in diesem dick isolierten Stahlbehälter gespeichert. Genug, um den ganzen Ort für ein bis zwei Wochen mit Wärme zu versorgen. Der Wärmespeicher ist die neue Energiequelle des Nahwärmenetzes von Nechlin.

Das Projekt hat eine lange Geschichte. Schon vor 20 Jahren war klar, dass mit dem Ausbau erneuerbarer Energiequellen viele Speicher erforderlich sind. Insbesondere die für die etwa wöchentlich auftretenden Windspitzen braucht es grosse, schnell befüllbareSpeicher und geeignete Abnehmer. Warmwasserheizungen sind hier ideal.

Und so bereiteten wir schon vor über 10 Jahren den Ausbau von Wärmenetzen in der Gemeinde Uckerland vor. Ursprünglich sollte der erste Windspeicher in Milow entstehen, doch statt das Projekt mit den dazu geplanten Windkraftanlagen zu unterstützen, liess die damalige Bürgermeisterin erst einmal jahrelang ein teueres Energiekonzept erstellen, von dessen akademischen Maßnahmen bis heute nichts umgesetzt wurde. In Nechlin aber fand die Idee schnell Unterstützer – Ortsvorsteher Hartmut Trester überzeugte alle Einwohner, sich an das geplante Wärmenetz anzuschliessen.

Aber es aber 2014 endlich losgehen sollte, kam es in Berlin zum größten politisch anzunehmendem Unfall für die Energiewende – der Eigenverbrauch von selbst erzeugten erneuerbarem Strom wurde gesetzlich unmöglich gemacht. Was war geschehen? Immer mehr Bürger hatten begonnen, sich mit den billig gewordenen Photovoltaikanlagen selbst zu versorgen. Die Energieversorger bekamen es mit der Angst zu tun. Sie warten vor einer befürchteten Entsolidarisierung, wenn die Menschen ihren Strom selbst erzeugten und nicht mehr von der großen Energieanbietern bezögen. Und das Geschäft mit der Angst trug Früchte: der Bundestag beschloß Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG): der Eigenverbrauch von erneuerbarem Strom wurde auf 10 Kilowatt begrenzt und es wurde vorgeschrieben, dass jeder Stromerzeuger in jeder Viertelstunde immer nur den gleichen prozentuale Anteil seiner Energie selbst verbrauchen darf und den Rest in die öffentlichen Netze einspeisen muss. Damit wurde die Nutzung von Windspitzen für die Heizung unmöglich, denn hier geht es immer um tausende Kilowatt und selbstverständlich soll die Heizung nur dann laufen, wenn nicht eingespeist werden kann und nicht immer konstant mit 5% der erzeugten Leistung. Dazu kam, dass seit 2014 auf selbst verbrauchtem Strom EEG-Umlage zu zahlen ist – diese Umlage aber höher ist, als der Wert der Heizenergie. Ein Unding – aber so kam es in das Gesetz.

Die Folgen waren katastrophal. Anstatt die wertvolle Energie nutzen zu können, wurde ab 2015 in Deutschland immer mehr Windstrom abgeregelt. Inzwischen sind es fast 6 Milliarden Kilowattstunden Strom, die infolge der Bundestagsbeschlüsse von 2014 verloren gehen, eine Energiemenge mit der bis zu einer Million Menschen mit Wärme versorgt werden könnten.

Und so konnte die Energie für die Nechliner Wärmeversorgung nicht wie geplant aus Windstrom erfolgen, sondern es musste eine Holzfeuerung mit Hackschnitzel aus der Forstwirtschaft installiert werden. Holz aber ist ein wertvoller und sehr knapper Rohstoff, er sollte nur im Notfall verheizt werden. Windstrom dagegen ist mehr als reichlich vorhanden – er muss einfach genutzt werden. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung hat hierzulande längst über 40% erreicht. Solange dieser Anteil niedrig war, sind die Wind- und Solarenergie im großen Stromnetz natürlich kaum aufgefallen. Aber es war doch klar, dass es mit dem notwendigen Zubau immer mehr Stunden im Jahr geben wird, wo die Energie eingespeichert werden muss.Was früher Kohlehalden waren, müssen jetzt Wärme- und Gasspeicher sein. Darum das Stromkabel vom Windfeld zum Heißwasserspeicher.

In Nechlin kommt es inzwischen mehrfach monatlich vor, dass der Stromnetzbetreiber Abregelbefehle erteilt – bis hin zum Stillstand der Produktion. Und das passiert natürlich ausgerechnet im Winter, wenn Wärme benötigt wird.

Technisch ist die Umwandlung von Windstrom in Heizungswärme kein Hexenwerk. In einem etwa drei Meter langen Zylinde sind sind rund 100 Metallstäbe verbaut. Sobald Strom durchfließt, werden sie heiß und heizen das Wasser auf. Das funktioniert genauso wie bei einem Durchlauferhitzer, der das Badewasser erwärmt. Nur ist hier alles um einiges größer.

Denn statt für 10 Kilowatt ist der elektrische Kessel für die Heizung von Nechlin auf 2000 Kilowatt ausgelegt. Und der Wasserbehälter hat nicht ein paar, sondern eben eine Million Liter Wasser.

Eine technische Herausforderung lag in Nechlin darin, dass wir hier am Ortsrand aus optischen Gründen einen besonders niedrigen Wärmespeicher bauen wollten. Mit einer Höhe von nur fünf Metern ist der Speicher nur ein Viertel so hoch wie die Bäume am Ortsrand. Dafür hat er mit achtzehn Metern einen ungewöhnlich großen Durchmesser. Übliche Wärmekessel haben eine Geometrie, bei der die Höhe um ein Mehrfaches größer ist als der Radius. Der Grund: Wärmespeicher arbeiten am effizientesten, wenn sich in einen eine deutliche Wärmeschichtung bilden kann. Denn dann lässt sich am oberen Rand des Speichers das heiße Wasser für die Heizungen entnehmen, während man am Boden des Speichers das abgekühlte Wasser zurückströmt. Damit das ein- und ausströmende Wasser den Speicher nicht durchmischt wie in einem Whirlpool, muss es gleichmäßig verteilt und langsam einströmen. Aber dies gelang auch in Nechlin: fast 20 Grad Temperaturunterschied werden auf den 4 Metern Wasserhöhe erreicht. Und die grosse Wassermenge sorgt dafür, dass die mittlere Heizleistung von 200 kW eine Woche lang zur Verfügung steht bis der Speicher sich 60 Grad abgekühlt hat. Und normalerweise kommt bis dahin der nächste Abregelbefehl. So versorgt das Windfeld den Ort vollständig Wärme.

Diese Idee kann vielfach kopiert werden. Die meisten mittelgroßen Städte in Brandenburg haben – wie in Prenzlau oder Pasewalk –große Wärmenetze, aber auch in den Dörfer sind solche Netze leicht und kostengünstig zu verlegen. Etwa 5% des Windstromes, die sonst ungenutzt blieben, stehen für die preiswerte Heizung hundertausender Häuser bereit.

Gerade in den östlichen Bundesländern tut sich dabei auch ein besonderes Zeitfenster auf: Nicht nur, dass bundesweit ab 2026 der Einbau neuer Ölheizungen verboten worden ist – die meisten Ölheizungen wurden in den 1990er Jahren eingebaut und seien jetzt 20 bis 30 Jahre alt. Hier stehen jetzt Neuinvestitionen an. Wir müssen die Gelegenheit nutzen, um mehr Kommunen für die billige Windwärme zu gewinnen, bevor mit Gasheizungen neue CO2-Schleudern installiert werden. Man kann fast den gesamten Nordosten Deutschlands mit Windenergie beheizen. Dafür brauchen wir nur die Strommengen, die sonst ungenutzt blieben.

Und was ist mit den rechtlichen Hürden? Für den Windwärmespeicher gibt es eine Ausnahmegenehmigung des bundesdeutschen Wirtschaftsministeriums, welche oben beschriebene Hindernisse bis Ende 2020 aufhebt – eine sogenannte Experimentierklausel. Dadurch wird der Vor-Ort-Verbrauch des Stromes abweichend vom EEG erlaubt, es wird keine Stromsteuer erhoben und die EEG-Umlage entfällt fast vollständig.

Allein diese Abgaben auf erneuerbaren Strom sind weit höher als das was Erdgas kostet, obgleich die Gestehungskosten von Windenergie niedriger sind. Es ist absolut unsinnig, dass auf CO2-freiem Strom immense staatliche Lasten liegen aber CO2-Quellen wie Erdgas fast lastenfrei sind. Umgekehrt muss es sein! Die grosse Frage ist, wie es 2021 weitergeht – hier ist die Politik aufgerufen, entsprechende Rechtsänderungen auf den Weg zu bringen, um oben beschriebene Hürden aus dem Weg zu räumen und Millionen von Menschen den Weg zu billiger CO2-freier Wärme zu ebnen.

Der Windwärmespeicher liefert den Beweis, dass Windenergiespitzen, für die ein Netzausbau ohnehin nicht effizient wäre, für eine erneuerbare Wärmeversorgung der Standortgemeinden und -städte nutzbar ist. Das ist gelebte Akzeptanz: preiswert mit der Windkraft vom Ortsrand heizen.

Was kann Politik noch tun?

Die drei Jahrzehnte Windenergiegeschichte werden immer wieder von gut gemeinten Äusserungen zum Naturschutz begleitet, die dann etwa so aussehen:

„Die Mehrheit der Anwohner stellt sich eindeutig gegen die Bebauung mit Windkraftanlagen in diesem sensiblen Bereich. Eine wöchentlich stattfindende Mahnwache, viele Stellungnahmen gegen das Projekt und diverse Petitionen bekräftigen dies.
Die Fläche ist ein international anerkanntes Important-Bird-Area-Gebiet und wird als wichtig für den Arten- und Biotopschutz speziell für Vögel eingestuft. Dies umfasst die Schutzgebiete und zusätzlich die aus vogelschutzrechtlicher Sicht enorm bedeutenden Verbindungsflächen (als Rast-, Nahrungs- und Brutflächen sowie in ihrer Funktion als Flugkorridor zwischen den Schlaf- und Nahrungsplätzen). Es ist Vogelparadie, wo man den Schrei- und Seeadler noch live sehen kann! Milane brüten in der Wiese oder nutzen sie als Nahrungshabitat. Bis zu 40 000 Kraniche, 150 000 Enten und Gänse nutzen die Wiese. Sing- und Höckerschwäne sind anzutreffen. Die Aufzählung könnte man beliebig fortsetzen. 98 Arten stehen davon auf der Roten Liste. Auch die Wiedervernässung von Mooren ist in Bezug auf CO2-Vermeidungskosten und Flächeneffizienz eine der kostengünstigen Klimaschutzmaßnahmen. Der Rückbau der Entwässerung wäre dezentral und weniger invasiv als der Bau von Windenergieanlagen!!! Auch die 5 Info-Veranstaltungen und zwei Gegendemonstrationen haben kein Vertrauen geschaffen. Sie haben eher dazu geführt, den Wind noch kräftiger blasen zu lassen. Es wird keine Widerspruch der hier lebenden Bürger zugelassen, obwohl wir hunderte von sachlich fundierten Argumenten vorgebracht haben. Da hilft auch keine in Aussicht gestellte, finanzielle Unterstützung. In diesem Fall hat es einen sehr unangenehmen Beigeschmack.“

Diese Beiträge wiederholen sich auf Versammlungen, Briefen, Eingaben und in den Medien. Garniert wird oft noch mit Infraschall, Schlagschatten und aller Art Tieren bis hin zur Haselmaus. Politiker wissen in ihrer Not sich oft nicht anders zu helfen, als darauf einzugehen.

Leider ist daran alles falsch: Windenergie schadet der Vogelwelt nicht, im Gegenteil. Ohne Windenergie wird der Klimawandel der Vogelwelt ihren Lebensraum wie wir ihn kennen vollständig nehmen. Gerade dort, wo viele Windenergieanlagen stehen, haben sich in den letzten 20 Jahren Milan und Adler prächtig entwickelt. Und ob eine Wiedervernässung stattfindet, hängt in keiner Weise von der Windkraft ab – das sind Entscheidungen zwischen Landeigentümern, Behörden und Naturschutz. Die Fundamente und Wege für Windkraft können so auslegt werden, dass auch eine nachträgliche Wiedervernässung durchführbar ist. Mehr noch: die ersten Jahre nach Wiedervernässung gast das Moor viel Methan&CO2 aus, dass durch die Windmühlen kompensiert wird. Selbst die Bautätigkeit für Windenergie hinterlässt sowenig Spuren, dann schon bald nach Inbetriebnahme nichts mehr davon zu sehen ist.

Ja, und sooft und soviel man vor Ort informiert – nur wer hören will, der hört auch zu. Die Behauptung, es würde kein Widerspruch zugelassen, ist für denjenigen richtig, der meint, er hätte sachlich fundierte Argumente vorgebracht. Nur ist dem eben gerade nicht so. Hier ist der Wunsch der Vater des Gedanken.

Die Argumente gehen weitgehend auf zwei Dinge zurück – einerseits die wissenschaftsfeindliche Vernunftkraft, hinter welcher die alte fossile Energiewelt steckt, und andererseits die aktive jahrzehntelange Propaganda der alten Energiewirtschaft, Windkraft sei teuer und schlecht. Diese beiden Dinge in Verbindung sind Gift für eine nachhaltige Energieversorgung und sicheren Umweltschutz, denn sie spielen mit den Gefühlen der Menschen zu deren eigenem Schaden. 

Eine mutige Politik muss die Menschen hier aufklären. Nur deutliche Worte, wer hinter den Lügen steckt und wie wichtig für uns alle erneuerbare Energien an jedem Ort sind, können helfen. Und wenn man genau hinsieht, wäre das garnicht schwer, denn die Argumente haben sich jahrzehntelange kaum verändert – und die argumentierten Folgen sind nicht eingetreten: die Natur lebt sehr gut mit Windenergie und die Stromerzeugungskosten sind dank Windkraft gesunken

Denn es braucht viele engagierte Bürger für Windenergie. Auch damit Intelligenz und Wissen nicht mehr als Schwachsinn diffamiert werden. 

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Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist 20 Jahre. Gratulation!

Seit dem 25.2.2020 ist das EEG nun 20 Jahre alt und hat unsere Energiewirtschaft von Grund auf verändert. Tausende neue Firmen sind entstanden, welche Anlagen zur erneuerbarer Stromgewinnung bauen, planen, betreiben und instandhalten – und Millionen Menschen haben sich an Stromerzeugungsanlagen beteiligt. Die alte Energiewirtschaft, die anfangs noch glaubte, mehr als 4% „Ökostrom“ sei sowieso nicht drin, hat grösstenteils tatenlos zusehen müssen und ist seitdem auf dem Rückzug, ihre verbliebenen Stellungen heftig verteidigend – siehe Kohleausstieg, wo für die wenigen verbliebenen Arbeitsplätze 200.000 Euro pro Job herausgehandelt wurden.

Während dessen sind Wind- und Solarstrom ungeahnt preiswert geworden und erreichen inzwischen einen Preis von 5 ct/kWh. Immer mehr Menschen versorgen sich daher selbst mit erneuerbarem Strom.

Leider hält das viele nicht davon ab, von immer noch teuerer Energiewende zu reden, so wie die FAZ vom 31.3.2020 einige Ökonomen zitiert. Tatsächlich ist das, was dort wiedergegeben wird blamabel – diese Ökonomen scheinen ihr Wissen nur aus der Zeitung zu haben. Die EEG-Umlage hat nämlich rein garnichts mit „Mehrkosten“ zu tun, wie hier unter 4. nachzulesen. Die Behauptung, es hätte kostengünstigere Alternativen als das EEG gegeben ist Unfug und wurde auch nie bewiesen. Sicher ist die teuere Bioenergie im EEG überflüssig und auch Offshore ist wegen der Kosten höchst fragwürdig – aber das sind politische Entscheidungen, die man dem EEG an sich nicht anlasten kann. Ohne diese Technologien wäre unser Strom sicher billiger, allerdings gibt es noch grössere Strompreistreiber.

Auf der immer wieder gern zitierte Reinhard Hüttl wird nicht müde die Kosten zu erwähnen, statt der Vorteile und sagt „Trotz der erheblichen installierten Leistung an Erneuerbaren wären wir in Deutschland bis auf weiteres nicht in der Lage, für Minuten und Stunden, geschweige denn Tage die konventionellen Kraftwerke vollständig abzuschalten“. Das Satz suggeriert: ohne Kohle geht es nicht. Aber er ist genauso dumm wie der Satz „Ohne Pferde wird die Volkswirtschaft zusammenbrechen“ im Jahr 1850 war. Mit dem Blick zurück kann man nicht nach vorne sehen. Wie ein vollständig erneuerbares System funktioniert ist hier oder auch hier skizziert.

Auch Professor Hüttl ist dem Irrglauben verfallen, unser Land müsste dauerhaft 70% seines Energiebedarfes importieren. Nein, mit Sicherheit nicht. Wenn wir nämlich eine 100%-erneuerbare Stromversorgung aufbauen, und genau das tun wir, dann entsteht automatisch ein riesiges Überangebot an erneuerbaren Strom, welcher in Wasserstoff- und Wärmespeicher eingespeichert werden wird und dann für Verkehr, Industrie und Heizen zur Verfügung steht. Wer also massiv Wasserstoff importieren will, der will gleichzeitig bis zur Hälfte der erneuerbaren Stromproduktion abregeln – oder hat diesen Zusammenhang schlicht nicht verstanden.

Das EEG ist übrigens auch viel besser als der lahmende Emissionshandel – denn es ist ein klares Gesetz mit klaren Zielen, welches den neuen Akteuren Handlungsspielraum gibt. Der Emissionshandel leidet von Anfang an darunter, dass die Lobbyisten der alten Energiewirtschaft unter der Flagge der Ökonomie den CO2-Preis nahe Null hielten. Ohne EEG hätte der Ausbau der erneuerbaren Stromgewinnung niemals die erforderliche Kraft und Geschwindigkeit erreicht.

Und warum sehen wir dann heute einen Rückgang beim Zubau, wo doch alle wissen, dass eine Beschleunigung not tut? Es liegt weder an Bürgerprotesten noch am Netzausbau. Nein, die 2016 ins EEG eingeführten Ausschreibungen haben dazu geführt, dass sich nur noch wenige finanzstarke Unternehmen zutrauten weiterhin Millionenbeträge in neue Planungen zu investieren. Viele haben sich vom Markt zurückgezogen, weil sie keine Sicherheit mehr spüren, dass jahrelange Arbeit und hohe Geldausgaben sich jemals lohnen. In wessen Interesse war wohl diese Änderung im EEG?

Alles in allem: Große Gratulation! Und der alte, wenngleich nicht besonders kluge Satz „Viel Feind – viel Ehr!“ möge ausnahmsweise hier mal gelten.

Zum Referentenentwurf des Kohleausstiegsgesetzes: kein Licht am Ende des Tunnels

Der Gesetzentwurf zeigt zwar in die richtige Richtung, ist aber insgesamt mutlos, vermeidet wichtige grundlegende rechtliche Änderungen und versucht viele sich daraus ergebende Probleme mit teueren Geldgeschenken zu umgehen.

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Für die Erreichung der Klimaschutz-Ziele ist mindesten folgendes erfordertlich:

1. Der derzeitige CO2-Preis von 10 Euro pro Tonne viel zu gering. Eine wirksame Lenkungsfunktion ist nicht gegeben. Es fehlt ein klarer Fahrplan bis 2030 mit einer Erhöhung auf 200 €/Tonne CO2.

2. Sektorkopplung jetzt: Das EEG muss sofort für die Sektorkopplung* angepaßt werden:

– Power-to-Gas direkt an Windkraft- und PV-Anlage muss abgaben- und umlagefrei möglich sein

– Power-to-Heat (Windspeicherheizungen) direkt an Windkraftanlagen zur Nutzung abgeregelter Energiemengen muss wirtschaftlich machbar zugelassen werden

– Die Gasnetze müssen für grosse Wasserstoffmengen geöffnet werden.

siehe auch https://enertrag.org/delta/was-ist-erforderlich-fuer-ptg/

3. 1.000 Metern pauschaler Abstand für Windkraft ist kontraproduktiv weil stark flächenreduzierend: . Die Abstände können heute bereits durch Einhaltung der Schallanforderungen und landschaftliche Besonderheiten gut geregelt werden. Es gibt Situationen, wo 600 Meter Abstand ausreichen, z.B. bei Vorhandensein von Wald oder Abschirmung durch Industriegebäude – und ebenso können manchmal 1000 Meter nicht ausreichen, weil z.B. Schallvorbelastungen vorhanden sind. Besser wären auch laut Umwelbbundesamt standortspezifische Planungen. Denn „bereits bei einem Mindestabstand von 1.000 Metern zu benachbarten Wohngebieten würde sich das gesamte Leistungspotenzial von derzeit noch 80 Gigawatt auf 40 bis 60 Gigawatt reduzieren“ (Umweltbundesamt 2018: https://www.umweltbundesamt.de/themen/mindestabstaende-bei-windenergieanlagen-schaden-der)

4. Zu strikte Abstandsregelungen verringern Repowering Potential: In Brandenburg sind derzeit 7 GW Windenergie an Land installiert. Diese bestehenden Windenergieanlagen fallen nach 20 Jahren sukzessive (ab 2020) aus der EEG-Förderung heraus. Danach entscheidet der Anlagenbetreiber, ob Weiterbetrieb, Repowering, oder ein Abbau der Anlagen erfolgen soll. Bei zu strikten Abstandsregelungen verringert sich die installierte Leistung deshalb im Bestand. Gleichzeitig ist es sinnvoll an bisherigen Standorten wieder leistungsstarke Anlagen zu bauchen, die (Siehe Umweltbundesamt: https://www.umweltbundesamt.de/themen/geplante-abstandsregeln-fuer-windraeder-gefaehrden)

5. Ein Paradigmenwechsel bei der Bereitstellung der Flächenkulisse für Windkraft ist gefragt: In Deutschland sind wir von der Erreichung der 2% Nutzung der Flächen für die Erneuerbaren Energien Erzeugung weit entfernt. Deutschland braucht mehr rechtssichere Flächenausweisungen ohne pauschale Vorgaben mit maximaler Planungsfreiheit pro Windkraft vor Ort, damit die Gemeinde in ihrer Planung für optimale Windenergienutzung nicht behindert werden. Statt Eignungsflächen auszuweisen, sollten Ausschlussflächen definiert werden – dann wären nicht 2% der Flächen für die Planung verfügbar, sondern ein Vielfaches davon. Das würde die Freiheitsgrade der Gemeinden deutlich erhöhen und den ruinösen Preiswettbewerb um knappe Flächen beenden, welcher nur zu Lasten der Stromkunden geht.

6. Ein Ausbaupfad für Windkraft an Land von 5-6 GW ist das Minimum, ohne den die Klimaziele nicht erreichbar sind.

7. Grüner Wasserstoff muss überwiegend aus dem Inland kommen, sonst regeln wir eines Tages 30-40% der erneuerbaren Energie ab und verteuern sinnlos das ganze Energiesystem durch steigende Redispatch- und Einspeisemanagement-Kosten.

 

Weiterhin sind folgende vorgesehene Reglungen ersatzlos zu streichen:

8. Es darf keine staatlichen Zuschüsse für Netzbetreiber zwecks Verringerung der Netzentgelte geben, weil sie die Bürger nicht entlasten, sondern nur Netzentgelte durch Steuern ersetzen, die beides die Bürger zahlen.

Siehe dazu Artikel 3 zur Änderung des EnWG § 24 a Absatz 2, wo vorgeschlagen wird „Mit Wirkung ab dem Jahr 2023 ist ein Zuschuss, den der Bund für ein Kalenderjahr zu den Kosten der Übertragungsnetzbetreiber mit Regelverantwortung zahlt, für das jeweilige Kalenderjahr mindernd in die Ermittlung der bundeseinheitlichen Übertragungsnetzentgelte einzubeziehen…“.

Die Kosten der Übertragungsnetze müssen transparent sein und an die Stromverbraucher weitergegeben werden. Zuschüsse verzerren die Kosten und führen zu Fehlanreizen und überflüssigem Netzausbau. Die Verringerung der Netzentgelte muss vielmehr durch eine optimale Kombination mit erzeugernahen Power-to-Gas- und Power-to-Heat-Anlagen erfolgen, wodurch sich die Ausnutzung der Übertragungsnetze erhöht und die Kosten pro Kilowattstunde sinken.

9. Ein Netzausbauzuschuss (Artikel 3 zur Änderung des EnWG §17 Absatz 4) von Stromerzeugern ist unzulässig und ersatzlos zu streichen. Es handelt sich hier um den Versuch die Netzbetriebsaufgaben zu externalisieren, bei gleichzeitiger Beibehaltung der Monopolstruktur. Die regulierten Netzbetreiber sind verantwortlich, die Investitionen in die Netzinfrastruktur zu gewährleisten, zumal die Netze dann auch in ihr Eigentum übergehen. Die Entflechtung ist beizubehalten und nicht per Rechtsordnung aufzuweichen, wodurch finanzielle Quersubventionen von Erzeugern die Marktrollen verzerren.

Der Referentenentwurf sieht in (§17 Absatz 4) vor, „durch Rechtsverordnung zu regeln, unter welchen Voraussetzungen Anschlussnehmer bei der Herstellung des Netzanschlusses einer Stromerzeugungsanlage oder einer wesentlichen Erhöhung der Anschlussleistung einer solchen Anlage einen netzkostenorientierten Netzausbauzuschuss zu zahlen haben“. (§ 17 Absatz 4 als neues Instrument, Verordnungsermächtigung ist ersatzlos zu streichen).

Zur Kohle:

Das Wichtigste voran: Die aufgrund des deutschen Kohleausstieges freiwerdenden CO2-Zertifikate des ETS dürfen nicht auf den europäischen Markt gelangen – denn sonst wären alle deutschen Anstrengungen umsonst. Die Bundesregierung muss diese Zertifikate statt dessen aufkaufen und vernichten – die damit verbundenen Kosten müssen vom Auktionserlöse der Kohlekraftwerksbetreiber abgezogen werden.

Der Zielkorridor sieht ein nahezu symmetrisches Abschmelzen der Braun- und Steinkohlekapazität (Steinkohle etwas schneller weg) vor. Das ist aus Klima- und Flexibilitätsgesichtspunkten unsinnig. Es sollten prioritär Anlagen raus, die CO2-intensiv und inflexibel sind.

Im schlimmsten Fall ist ein Ausschreibungssystem ein Mechanismus, um den Betreibern noch einmal so richtig die Anlagen zu vergolden. Um dies zu verhindern ist eine niedrige Maximalgebotshöhe erforderlich, die über ein unabhängiges Gutachten den Restwert der Anlagen schätzt. Abgeschriebene Anlagen sollten kein Geld bekommen (§19).

§25 erlaubt die Übernahme in eine Reserve. Das macht Sinn, sollte aber nicht zu Doppelvergütung führen. Hier herrscht Regelungsbedarf.

§31 macht sehr viele Hintertüren auf – hier muss darauf bestanden werden, dass Alternativmaßnahmen für Versorgungssicherheit rechtzeitig ergriffen werden, um den Ausstieg möglich zu machen.

§32 weist auf ein Grundlegendes Problem mit dem Ausschreibungsverfahren hin: was passiert denn, wenn keiner Lust hat ein Angebot zu machen? Die Lösung kann dann nur Abschaltung per Gesetz in der Reihenfolge der grössten Emissionen (pro kWh) sein.

 

Anmerkung

*Sektorkopplung vor allem über erzeugungsnah gewonnenen Wasserstoff ist von grundlegender Bedeutung für die Energiewende. Deutschland braucht ca. 250 GW Windkraft und ca. 400 GW PV. Die Erzeugung wird damit zwischen null und ca. 300 GW schwanken – und sie wird zur Hälfte der Zeit über dem Strombedarf liegen, egal wie viel Autos elektrisch fahren.

Wir können nun die Energiemenge, der kein zeitgleicher Strombedarf gegenübersteht, in Wasserstoff wandeln oder abregeln.

Wenn wir in Wasserstoff umwandeln, haben wir genug Energie für die LKW, Busse und nicht elektrifiziert Eisenbahnstrecken. Die Effizienz spielt dabei keine Rolle, denn es handelt sich um Energie die nicht anders genutzt werden kann. Würden wir sie nicht nutzen und alles elektrisch machen, dann bräuchten wir 30-40 % mehr Windkraft und PV Und wir bräuchten eine fossile Lösung für dunkle windarme Zeit. Beides ist nicht sinnvoll.

Industrie und Gewerkschaften an Regierung: Windkraft Mindestabstände dürfen nicht kommen

Industrie und Gewerkschaften fordern deutlich mehr Mut beim Klimapaket:

„Es ist uns unerklärlich, dass an einer Regelung zu bundeseinheitlichen Mindestabständen festgehalten wird, obwohl klar ist, dass damit das Ziel von 65 Prozent Erneuerbare Energien in 2030 nicht gehalten werden kann.“

20191111_Verbände Brief Altmaier _bundeseinheitliche Abstandsregelungen Wind an Land

Und das schreibt bestimmt nicht die so oft beschworene Windkraftlobby, die es nämlich in Wirklichkeit garnicht gibt…

17 Jahre Planung: Windfeld Lacaune

Nach 17 Jahren Planungszeit gehen heute die letzten Anlagen im Windfeld Lacaune in Südfrankreich ans Netz. Die Planung begann hier 2002. Die Baugenehmigung erging 2009. Verschiedene Einsprüche gegen das Projekt kosteten alle Beteiligten am Ende zehn Jahre. Auch in Frankreich muss die Planungszeit für Windenergie deutlich verkürzt werden, um die Energiewendeziele zu schaffen.

Dieses Video zeigt den Aufbau der Anlagen. Die 11 Enercon E70 auf 90-m-Türmen erzeugen hier bei einer mittleren Windgeschwindigkeit von fast 10 Metern pro Sekunde jährlich gute 80 Millionen Kilowattstunden. Hier ein Video bei voller Leistung in den Wolken:

Das Klimakabinett hat versagt

Eckpunkte für das Klimaschutzprogramm 2030

Unser Haus brennt. Aber statt zu löschen, versucht die Bundesregierung mit diesem Papier nur das Geld und den Schmuck aus dem Haus zu retten. Aber wohin wollen wir mit all den Wertsachen, wenn es kein Deutschland, keine bewohnbare Erde mehr gibt?

Hier die kommentierte Fassung der Beschlüsse des Klimakabinetts. Darin ist alles Selbstverständliche oder bereits beschlossene blau markier, das Vernüftige oder Richtige grün markiert, alles was wenig hilft ist gelb markiert und alles was gefährlich ist, ist rot markiert. Auch der BDEW spricht von einem insgesamt enttäuschenden Papier und schreibt in seiner Bewertung „Insbesondere bei der CO2-Bepreisung und der notwendigen Strompreis-Entlastung ist die Bundesregierung viel zu zögerlich.“ und weiter „Ein Fokus muss auch auf dem Abbau von Hemmnissen bei der Windenergie an Land liegen.“ Und hier noch die Bewertung des BWE zum Klimakabinett.

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Insgesamt zeigt das Papier die Mutlosigkeit der Regierenden.

Statt die Bevölkungung für das Jahrhundertprojekt Energiewende zu begeistern, statt darauf hinzuweisen, das Erneuerbare Energie Arbeit schafft und günstige Energie liefert wird das Ganze nur als „Kraftanstrengung“ bezeichnet – als wäre die Energiewende ein Krieg, in dem es nur Leiden gibt. Im Gegenteil! Die Energiewende ist das einzige Projekt, was die Kriege noch verhindern kann, welche der Klimawandel mit sich bringt.

Der Ansatz der Bundesregierung, mit möglichst kleinen Schritten vorzugehen, den Ausstoß von CO2 eben gerade nicht massiv zu verteuern und statt dessen die Emittenten auch noch massiv zu fördern, damit sie langsam mal umstellen, ist grundverkehrt. Die Energiewende braucht neue Akteuere, braucht Rahmenbedingungen, die es Bürgern und mittelständischen Firmen endlich erlauben, überall in ihrem Schaffen günstige erneuerbare Energie einzusetzen. Aber genau das bleibt verboten und unwirtschaftlich: Fossile Energie bleibt zu billig, die Eigennutzung von erneuerbarem Strom für die Sektorkopplung bleibt unmöglich, Mieterstrom bleibt ein Graus, Nutzen statt Abregeln bleibt verboten, billige private Stromnetze werden nicht zugelassen…

Da bleibt nur die Hoffnung auf die nächsten Freitage.

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Übrigens zeigt sich das Politikversagen auch bei der Pendlerpauschale. Die angekündigte Entlastung gilt zwar theoretisch auch für Bahnfahrer – aber ca. 80% aller Fernpendler fahren Auto und sparen so ca. 15 Euro jährlich pro 10 km Strecke, die sie mehr als 20 km zur Arbeit fahren. Hier die genaue Berechnung in Abhängigkeit von Kraftstoffverbrauch und Steuersatz. Um die Mehrbelastung des lächerlichen CO2-Preises von 10 Euro pro Tonne (1 ct pro kg CO2!) auszugleichen, wäre eine Erhöhung der Pendlerpauschale um 1 ct/km statt 5 ct/km ausreichend. Autofahren sollen also fünfmal mehr entlastet werden, als nötig.