Energietransport

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Da heute Energiequellen zentral sind und Verbraucher überall, wird Energie in Form von Kohle, Öl, Gas und Strom weltweit über viele Tausend Kilometer transportiert. Erneuerbare Energien aber sind weltweit praktisch überall verfügbar – ein Transport dieser Energien beschränkt sich also auf einen Angebots-Nachfrage-Ausgleich zwischen den Regionen. Wie wird das funktionieren?

Bertikow

Für den Energietransport stehen mehrere Netze zur Verfügung:

– das Stromnetz, welches nur Energie  transportieren kann

– das Gasnetz, welches auch als riesiger Energiespeicher dient und wieder für die Aufnahme grosser Wasserstoffmengen zu ertüchtigen ist

– das Schienennetz über welches Energieträger wie Wasserstoff leicht in Tankwagen transportierbar sind und

– das Strassennetz über welches ebenfalls Transporte erfolgen können und dessen Fahrzeuge sich als zusätzliche Energiespeicher eignen.

Das Stromnetz allein ist heute ebenso untauglich für eine vollständige  Energieversorgung wie in Zukunft. Es wäre sehr teuer, die elektrischen Netze für den Abtransport der Höchstleistungen von Wind- und Solaranlagen auszubauen. Außerdem ist jedweder Netzausbau zwecklos, wenn der angebotene Strom am Ende der Leitung nicht zeitgleich verbraucht wird – und ein Netz für Speicher zu bauen ergibt keinen Sinn, da jeder Speicher in der Nähe der Erzeugung gebaut werden kann.

Was ist mit Flexibilitäten im Netz und Demand-Site-Management? Es ist sehr unwahrscheinlich, dass eine Vielzahl von Stromverbrauchern, welche am öffentlichen Netz angeschlossen sind, sich auf die Nutzung von Energiespitzen einstellen, welche nur 5-20% der Jahreszeit vorkommen. Selbst wenn diese Spitzen mit einer Frist von mehreren Tagen vorhersagbar wären, dürften sich kaum heute bereits existierende Verbraucher finden, welche für eine entsprechende Abnahme geeignet wären. Die wenigsten Industrieprozesse können ein so seltenes Energieangebot nutzen und auf die paar Waschmaschinen im Lande, welche zufällig zusätzlich zugeschaltet werden könnten, kommt es nicht an.

Zwar ist ein gewisser Netzausbau wichtig, um das Herunterfahren der Kernenergie im Süden auszugleichen, doch ist er keine Lösung für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energie in der zweiten Phase der Energiewende.

Die Lösung besteht vielmehr in der Gewinnung speicherbarer Energieträger in der Nähe der Stromerzeugungsanlagen und der Nutzung der anderen Netze: Gas, Schiene und in Maßen die Straßen.

Gerade in der Gewinnung von Wasserstoff aus Windstrom liegt aber auch der wesentliche Teil der Lösung für diese Fragen: immer dann, wenn aufgrund mangelnder Nachfrage eine Einspeisung von Windstrom in die Versorgungsnetze mangels Bedarf nicht möglich ist, kann  dieser mit 80% Wirkungsgrad in Wasserstoff umgewandelt werden. Statt durch das Stromnetz kann diese Energie dann durch vorhandene Rohrleitungen zu den Verbrauchern oder über kurze Rohrleitungen direkt zu Tankstellen transportiert werden. Die Kapazität von Gasleitungen ist ca. zehnmal größer als die von Stromleitungen und sie dienen gleichzeitig als Speicher. Da sie unterirdisch verlaufen ist auch die Neugenehmigung von Gastrassen kein Problem.

Der Ausbau der Stromnetze sollte sich hauptsächlich am Strombedarf orientieren und einen wirtschaftlich sinnvollen Energieausgleich über Landesgrenzen hinweg ermöglichen. Erneuerbare Energie kann fast immer in Verbrauchernähe gewonnen werden kann – nur in die Ballungsgebiete hinein sind große Energiemengen zu transportieren.