Der Strompreisanstieg

Seit Jahrzehnten heißt es, die Energiewende kostet nur, Strom wird immer teurer und und und. Und tatsächlich wurde Strom immer teuerer – aber nicht wegen Windenergie an Land oder Photovoltaik, sondern vor allem wegen politischer Fehlentscheidungen. Und so sieht es tatsächlich aus:

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Ausgerechnet Windenergie an Land, die mit 120 TWh (2020) den bei weitem größten Anteil erneuerbarer Energie darstellt, hat nur 5% Anteil an den Kostensteigerungen, die beim Bürger ankommen. Der Löwenanteil geht auf die Energie- und Netzkonzerne und insbesondere den Steueranteil des Staates. Selbst die Kosten des Solarenergieausbaus, 44 TWh (2020), schlagen nur mit 11% zu Buche. Und Offshore-Wind, welcher nur 30 TWh (2020) erzeugt, macht 8% des Strompreisanstieges aus. Sogar die EEG-Umlagebefreiungen für die deutsche Industrie haben den doppelten Anteil am Strompreisanstieg gegenüber Windkraft an Land.

Hier steht übrigens, was geändert werden muss.

Und obige Grafik berücksichtigt dabei noch garnicht, dass aufgrund des Merit-Order-Effektes mit steigender Windstromerzeugung die Börsenstrompreise unter Druck geraten sind. Da nämlich Windenergie zu nahe Null Grenzkosten (im Grunde sind das Betriebskosten) produziert, verdrängt sie immer mehr Kohlestrom am Markt mit dem Effekt sinkender Börsenpreise. Und da die EEG-Umlage nichts weiter ist, als die Differenz der erneuerbaren Erzeugungskosten zum Börsenstrompreis, sorgt somit die Einspeisung von immer mehr billiger Windenergie für einen Anstieg der EEG-Umlage. Eigentlich ist das ein Nullsummenspiel (mehr Wind – weniger Börsenpreise – mehr EEG-Umlage = derselbe Strompreis wie vorher). Aber geschickterweise wird den Bürgern immer wieder suggeriert, dass die EEG-Umlage am Strompreisanstieg schuld sein – und damit lassen sich die Strompreise bequem erhöhen. Wie man oben sieht, kommt das Geld aber nicht bei den erneuerbaren Erzeugern an, sondern bleibt im Club der Energiekonzerne. Gute Geschäftsidee.

Würden man den Merit-Oder-Effekt noch in die Betrachtung einbeziehen, dann wäre der Anteil der Windenergie an Land am Strompreisanstieg übrigens deutlich negativ, d.h. Windenergie ist die einzig wirkliche Strompreisbremse, die es bisher gibt.

Woher stammen die Daten für obige Graphik?

Sie sind öffentlich unter folgenden Links verfügbar. Dieses den tatsächlichen Verhältnissen entsprechende Bild lässt sich aus den Daten zur Strompreisentwicklung und der Seite Netztransparenz.de (insbesondere hier) ermitteln. Hier im folgenden Link die entsprechende Berechnung der Strompreisentwicklung, welche weitgehend auf diesen Daten beruht und die obige und die folgenden Graphiken hierzu errechnet.

Der Anteile am Strompreisanstieg 2020 gegenüber 2000 sind auch hier gut ersichtlich:

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Und hier die Entwicklung Strompreiszusammensetzung:

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Und zum Abschluss die Graphik mit allen Details der Entwicklung der Strompreiszusammensetzung welche ebenfalls in der bereits oben erwähnten Datei zur Strompreisentwicklung enthalten ist.

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Warum aber sehen fast alle Nachrichten über steigende Strompreise so aus, wenn doch Windenergie an Land nichts dafür kann?

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Die Erklärung liegt zum grossen Teil an der Funktion unserer Presse: wenn Energie- und Wirtschaftsverbände regelmässig solche Bilder und Informationen an alle Stadtwerke und Energiekonzerne verteilen, welche sie dann einfach in eigenem Interesse weiter verteilen, dann sieht es für die Presse aus, als gäbe es hunderte Belege für die Fehlinformation, welche letztendlich wohl nur auf einen Mitarbeiter in einem Verband zurückgeht. Nachdenken und nachrechnen wäre hier besser.

Stand: Februar 2020