1986

Чернобыль – Tschernobyl

Aus meinen ersten Notizen zu Tschernobyl vom 28.4.1986, einem Montag im Moskauer Energetischen Institut: 26.4. 1:23 Uhr Havarie bei 200 Megawatt. Auswurf Jod und Xenon, Halbwertzeit 20-30 Tage. Wasseraustritt mit langlebigen Nukliden. Obere Reaktorabdeckung zerstört. Beton, Bor (gegen Neutronen) und Blei (gegen Gammastrahlung) werden von oben eingeworfen. Gebäude nur bis 1,7 Atmosphären druckfest, da mit gleichzeitigem Versagen aller 1600 Kanäle im Reaktor niemand gerechnet hat. Brand des Dachs vom Maschinensaal. Beschädigung des Reaktors, Brand von innen, sehr schwer zu löschen, da alles sofort verdampft und mit radioaktiven Stoffen entweicht. 2 Tote, 204 Strahlungsverletzte. 

Dann wurden 25000 Menschen in 4 Stunden evakuiert. Danach ging ich in die Reaktorsicherheit, bis ich verstand, daß es keine Reaktorsicherheit gibt. So begann meine Energiewende. Das Wichtigste aber, was gegen Kernspaltung sprach, war die beginnende Erkenntnis, dass wir die Kernfusion nicht nutzbar machen können. Jedenfalls nicht schnell genug. Die Kernspaltung aber war immer als Brücke zur Kernfusion gedacht – und was nützt eine Brücke ins Nichts?

Kein Strom ohne Speicher

Als Gerd Otto, Ingenieur in Berlin und Erfinder der weltweit ersten getriebelosen Windenergieanlage, 1986 das Projekt einer 100-MW-Windkraftanlage zeichete, war ihm bereits vollkommen klar, dass es einer Lösung für die Speicherung des schwankenden Energieangebotes bedurfte. Deshalb ist das Interessante in seiner Zeichung auch nicht die mit 260 Metern Rotordurchmesser gewaltige Größe der Anlage, sondern vielmehr das, was im Fundament eingezeichnet ist: ein Speicher für 50 GWh Wasserstoff, etwa eine Monatsproduktion im Winterhalbjahr und also Energie für die dunkle windstille Zeit Ende Winter.

19900000 Gerd Otto4 100 MW

Nachzulesen in „Aerogie“ von Gerd Otto, erschienen 1989 in Berlin.

Und wer genau hinsieht, erkennt, dass es sich um eine getriebelose Anlage handelt, welchen viele unter dem Namen Enercon inzwischen bekannt sind.