Warum steigen die Energiekosten?

Eine einfache Frage, scheint es. Aber die Frage „Warum gab es jüngst Krieg in Syrien?“ ist ebenso einfach und mindestens genauso schwierig zu beantworten.

Versuchen wir es dennoch mit ersterer Frage.

Beginnen wir dem dem Strom. Wie hier leicht zu erkennen ist, ist Strom an sich nicht teuer. Wenn man bedenkt, dass Strom immer noch weitgehend unter Inkaufnahme von ca. 70% Energieverlusten aus fossilen Energieträgern gewonnen wird, dann sind Stromgestehungskosten von 6 ct/kWh im Strommix (gegenüber 3-5 ct/kWh für Gas und Öl) sehr günstig. Und jede moderne Windkraftanlage und jede PV-Zelle erzeugt heute Strom für weniger Geld (wohingegen neue Kohle-  oder Kernkraftwerke bis zum Doppelten teurer erzeugen).

Was den Strom teuer macht, sind die immensen Lasten auf ihm: die Netzentgelte allein sind höher als die Stromerzeugungskosten. Kein Wunder, denn solange die Entscheider von einer „all-electric-world“ träumen, wo jede erneuerbare Kilowattstunde erst einmal durch das Netz muss, obwohl Verbundkraftwerke viel billiger wären, solange werden die Netzkosten steigen und steigen. Ein Treiber für steigende Netzentgelte ist auch die Regulierung, welche den Netzbetreiber eine aus heutiger Sicht unglaublich hohe Eigenkapitalverzinsung von 9% garantiert. Je mehr die Netzbetreiber in den Netzausbau investieren, um so reicher werden sie.

Dann kommt die EEG-Umlage auf den Strompreis dazu. Wie hier nachzulesen ist, besteht diese im wesentlichen aus den Kosten für die unsinnige Biogasverstromung, alte PV-Kosten und viel zu hohe Wind-offshore-Kosten. Ohne die Irrtümer Biogas und offshore-Wind wäre die Umlage weniger als halb so hoch. Sinnvoll waren nur die Kosten für den Aufbau der Photovoltaik, denn damit hat Deutschland der Welt eine heute extrem günstige Stromerzeugstechnologie geschenkt. Man könnte sagen, das war die erste wirklich wirksame Entwicklungshilfe.

Neben weiteren Lasten auf Strom, wie Konzessionsabgaben (KA) und der Umverteilung nach §14 StromNEV, kommt dann auch noch die Stromsteuer dazu. Und auf diese immensen Lasten schlagen natürlich die 19% Mehrwertsteuer noch einmal richtig zu Buche.

Wer verdient also am Strom? Die breite Masse der Erzeuger sicher am wenigsten. Es sind die Netzbetreiber, die Biogaswirtschaft, die Wind-offshore-Industrie, Städte und Gemeinden (über Konzessionsabgaben) und der Staat selbst.

Und was ist mit dem Treibstoff? Für Strom zahlen wir pro Nase ca. 500 € jährlich (übrigens zahlen viele mehr für ihr Handy samt Tarif). Das Auto schlägt dagegen nur für den Treibstoff leicht mit 2.000 € oder auch 4.000 € jährlich zu Buche – je nach Laufleistung. Würden wir mit selbst erzeugtem erneuerbarem Strom fahren, dann wären die Kosten für 100 km elektrisch fahren bei ca. 1 €. Das ergibt sich aus dem mittleren Energiebedarf eines Stromautos von 15 kWh/100 km und den Wind- oder Solarstromerzeugungskosten von 6 ct/kWh. Dann würde unser Treibstoff nur noch 200 – 400 € jährlich kosten. Selbst wenn man in Betracht zieht, dass an einigen Tagen weder Wind noch Sonne zum Laden reichen und man nicht auf besseres Wetter warten möchte, wären die Mehrkosten für das Laden aus gespeicherter Energie nicht wesentlich. Deshalb ist ja die Kombination von Brennstoffzellenantrieb mit einem kleinen Akkumulator die beste Lösung für Fahrzeuge: die meisten Strecken sind Kurzstrecken, die man mit billigem Wind-/Solarstrom fahren kann. Länger Strecken und energiearme Tage fährt man mit Wasserstoff, welcher pro km heute schon nicht teurer als Benzin ist (Wasserstoff an Tankstellen kostet ca. 9 € pro kg und mit 1 kg Wasserstoff kann man 100 km weit fahren).

Tatsächlich könnten wir beim Übergang zu Strom- und Wasserstoffmobilität sehr viel Geld sparen.

Und was kostet uns die Wärme? Auch hier zahlt ein nicht übermäßig sparsamer Haushalt mit 2-4 Personen jährlich 2.000 – 4.000 € nur für das Heizen. Auch viel mehr, als für den Strom. Dabei ließen sich auch hier durch eine geschickte Kombination von Dämmung, Wärmepumpen, erneuerbarem Strom und Wasserstoff-Brennstoffzellen die laufenden Kosten und vor allem die CO2-Emissionen deutlich senken.

Unterm Strich ist erneuerbare Energie nicht teurer als fossile. Und das liegt vor allem daran, dass ein erneuerbares Energiesystem weniger als 1/3 des Energieeinsatzes eines fossilen Energiesystems braucht. Solange erneuerbare Energie aber nur im Stromsektor und nicht im Verkehr und Wärmebereich Einzug hält, solange wird dieser Spareffekt nicht wirksam und die Energiekosten scheinen zu steigen.