Wasserstoffstrategie

Eines sollte klar sein: der Wandel von der Verbrennung fossiler Rohstoffe zur Nutzung von Windkraft und Sonne geht mit dem Verlust der fossilen Speicher einher: Kohlehalden, Öltanks und Erdgasspeicher wird es nicht mehr geben.

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Aber kein Energiesystem funktioniert ohne Speicher – wir Menschen haben dafür den Magen, die Erde hat die Ozeane. Und was ist der Speicher in einem erneuerbaren Energiesystem? Nun, unschwer zu erraten: Wasserstoff. Dieses Gas ist leicht aus Strom zu gewinnen, kann gut durch Leitungen transportiert werden und kann Brennstoffzellen in Fahrzeugen und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen versorgen. Und unsere Industrie benötigt davon grosse Mengen.

Wasserstoff ist der ideale Speicher für erneuerbare Energie. Nun fragt es sich, warum die jüngste Besetzung des Wasserstoffrates unter Ausschluss von Vertretern der erneuerbaren Unternehmen und Verbände erfolgte. Die Besetzung erfolgte sogar äußerst intransparent: Verbände sowie die Arbeitsebene in BMWi, BMU und BMF wussten selbst letzten Montag noch nicht, wer dem Rat angehören wird. Nun sind es nur Vertreter der alten Energiewirtschaft bzw. Industrie. Wie war das mit dem Bock, den man zum Gärtner machte?

Und schon beginnt das Geschwafel von „wir können den Wasserstoff nicht in Deutschland gewinnen, denn so viele Windkraftanlagen können wir hier nicht bauen…“ Wer das sagt, hat sich nie mit den tatsächlichen Verhältnissen befasst. Es ist nämlich so, dass eine vollständig erneuerbare Stromversorgung, wie wir sie hierzulande erreichen wollen, nur möglich ist mit einem Ausbau der erneuerbaren Erzeugung auf etwa 200 Gigawatt Windkraft und 600 Gigawatt Solarenergie. Und das geht übrigens mit 30.000 Windkraftanlagen – soviel wie wir heute schon haben, nur sind sie etwas größer.

Dabei fallen aber aufgrund der natürlichen Schwankungen von Wind- und Solarenergie ganz grob 600 Mrd. Kilowattstunden Energie (die Hälfte der Erzeugung) an, denen keine Strombedarf entgegensteht. Wollen wir diese Energie nicht abregeln und vernichten, dann müssen wir sie zu großen Teil Wasserstoff einspeichern (und zu einem kleinen Teil in Heizwärme). Wenn wir aber diese Energiemenge als Wasserstoff nutzbar machen, dann brauchen wir keinen Wasserstoff importieren – so einfach ist das.

Entweder Import und teuere Abregelung – oder Herstellung im Inland ohne Abregelung. Letzteres dürfte billiger sein.

Entscheidend ist für all das nur, dass es gleiche Bedingungen für alle Energien pro deren CO2-Emissionen gibt. Wenn es gelingt, diese zu schaffen, dann werden sind Windenergie (an Land), Solarstrom und Wasserstoff ganz von selbst als die preiswertesten Energiequellen bzw. Speicher durchsetzen.

Und noch ein Exkurs zu den neue Wasserstoffarten, welche der Lobbyismus der Fossilen hervorgebracht hat: 

– Grauer Wasserstoff: Grauer Wasserstoff basiert auf dem Einsatz von fossilen Kohlenwasserstoffen – davon haben wir zuviel und der muss weg

– Blauer Wasserstoff: Als blauer Wasserstoff wird Wasserstoff bezeichnet, dessen Erzeugung mit einem CO2-Abscheidungs- und Speicherungsverfahren gekoppelt wird – das ist aus der Reihe „wer´s glaubt wird seelig“. Es gibt einfach keine nachweislich erprobten Verfahren, um CO2 über Millionen Jahre zu speichern – und die kann es auch nicht geben, weil solche Zeiträume weit über dem Erfahrungsschatz der Menschheit liegen. 

– Türkiser Wasserstoff: Als „türkiser Wasserstoff“ wird Wasserstoff bezeichnet, der über die thermische Spaltung von Methan (Methanpyrolyse) hergestellt wurde – nun, das ist auch nur grauer Wasserstoff, also CO2.

– Grüner Wasserstoff: Grüner Wasserstoff wird durch Elektrolyse von Wasser hergestellt, wobei für die Elektrolyse ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien zum Einsatz kommt. 

Ist es nicht verdächtig, wenn Grüner Wasserstoff zuletzt genannt wird?

 

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