Die Gesetze sprechen gegen eine Wasserstoffwirtschaft

Veröffentlicht in der Zeitschrift des DVGW als Editorial

Seit bald zehn Jahren erzeugt ENERTRAG Windgas, also Wasserstoff direkt aus Windenergie. Technische Probleme gab es dabei nie, die Anlagen laufen von selbst. Mit dieser Technologie schneiden wir die Fluktuationen vollständig aus der Erzeugung heraus und speichern die entsprechenden Energiemengen einfach ein. So können wir bedarfsgerecht Strom liefern und stellen mit dem Wasserstoff gleichzeitig einen Energieträger für die Dekarbonisierung von Mobilität, Wärme und Industie bereit. Klingt perfekt.

Warum aber gibt es bei der Speicherung erneuerbarer Energien in Wasserstoff aber noch immer keine weiteren Großanlagen? Warum wird nicht investiert? Warum werden weiterhin viele Milliarden Kilowattstunden abgeregelt und gleichzeitig Redispatchkosten im Milliardenbereich erzeugt? Wenn doch klar ist, dass das Stromsystem an seine Grenzen gestoßen ist und ohne Speicher nicht funktioniert, warum funktioniert „Nutzen statt Abriegeln“ nicht? Und wenn bekannt ist, dass das Gasnetz der größte Energiespeicher ist, den wir haben und der nicht erst teuer gebaut werden muss – warum nutzen wir das Gasnetz nicht zur Speicherung von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien? Warum ist es nicht möglich, mehr als 2% Wasserstoff in Gasnetze einspeisen, welche von 30 Jahren noch über 50% Wasserstoffanteil transportierten? Und warum haben sich die regulatorischen Randbedingungen für Sektorkopplung in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert?

Im Grunde liegt das Problem darin, dass wir gewohnt sind, die Energiesektoren völlig getrennt zu leben und zu regeln. Während der Stromsektor massiv unter Dekarbonisierungsdruck steht, gilt das für alle anderen Sektoren bislang nicht. Dabei steht die Stromproduktion nur für ein Drittel der CO2-Emissionen.

Wenn aber Öl und Gas weiter munter importiert werden, wird es bei der Energiewende kein Stück mehr weitergehen. Der nächste Schritt muss vielmehr die Durchdringung aller Sektoren mit erneuerbare Energie sein. Dafür müssen die Spielregeln für alle Energiebereiche gleich sein. Dieser auch „level-playing-field“ genannte Ansatz ist grundlegend und umfasst folgendes:

– Gleiche Abgaben und Umlagen auf allen Energiearten pro deren CO2-Emission

– Abschaffung aller Abgaben und Umlagen sowie regulatorischen Hemmnisse bei der Umwandlung erneuerbarer Energie in speicherbare Energieträger

– Vollständige Technologieoffenheit sämtlicher Fördersysteme, solange sie überhaupt noch erforderlich sind

– grundlegende Änderung des Fördersystems nach dem EEG von „100% der Energie muss in das Umlagesystem“ hin zu „die Fluktuation muss in die Speicher“

– Abschaffung unnötiger technologischer Grenzen, insbesondere schrittweise Aufhebung der Begrenzung der Einspeisung von Wasserstoff in Gasnetze

Wir liegen weit hinter unseren technischen Möglichkeiten zurück. Power-to-Gas und Power-to-Heat könnten sofort hochskaliert werden, wenn die technischen und regulatorischen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden. Beide Technologien sind die einzigen bekannten großtechnischen Flexibilisierungsoptionen für unser Energiesystem. Ohne sie geht es einfach nicht.

Reallabore sind nicht erforderlich, um Technologien dafür zu entwickeln. Diese gibt es längst. Der Sinn von Reallaboren kann nur darin bestehen, die vielen rechtlichen und regulatorischen Hürden für die Sektorkopplung ans Tageslicht zu fördern, bewußt zu machen und so schnell wie möglich Änderungen anzuregen. Die Partner aus Energiewirtschaft, Industrie und Kommunen stehen dafür bereit. Und die Technik ist längst reif für Wasserstoff.

4. Brandenburger Energiespeichertag

Mit der Umstellung auf erneuerbare Energien wird Brandenburg seinen Anteil an der Energieerzeugung in Deutschland weiter erhöhen.

Die Erzeugung speicherbarer Energieträger aus erneuerbar gewonnenem Strom ist einfach.

Wie können dabei die Kostenvorteile erneuerbarer Energien genutzt werden?

Und was bedeutet das für die Reallabore?

1. Der wichtigste Kostenvorteil ergibt sich durch die Verzahnung aller Energiesektoren und deren Umstellung auf erneuerbare Energie. Dabei wird der Energieverbrauch auf ein Drittel des heutigen Wertes sinken. Energiewende bedeutet im Kern, dass Verbrennungskraftmaschinen mit hohen Verlusten durch hocheffiziente elektrische Antriebe und Brennstoffzellen ersetzt werden, weil Strom und Wasserstoff zu Primärenergieträgern werden. Damit ist eine erhebliche Kostenersparnis verbunden.

Reallabore demonstrieren Sektorkopplung ohne Verbrennungskraftmaschinen.

  • 2. Der derzeitige Netzausbau erhöht unnötig die Systemkosten. Die Regulierung der Stromnetz umfasst eine garantierte Eigenkapitalverzinsung von 9% für die Eigentümern der Netze. Dabei ist es weder sinnvoll noch erforderlich die öffentlichen Netze mit ihren teuren Sicherheitsanforderungen massiv für den Anschluß von Wind- und PV-Anlagen auszubauen. Verbundkraftwerke mit viel einfacheren eigenen Netzen sind der günstigere Weg. Dieser aber wird nicht eingeschlagen, weil es für die Betreiber der Windkraft- und PV-Anlagen billiger ist, den für sie kostenlosen aber für den Verbraucher teueren Netzausbau in Anspruch zu nehmen.

Reallabore sind am besten Verbundkraftwerke.

3. Ein erneuerbares Energiesystem braucht preiswerte Langzeitspeicher. Die eingespeicherten Energien müssen dabei mit mindestens 60% Nutzungsgrad wieder rückgewonnen werden können. Das ist mit folgenden Technologien möglich:

  • am einfachsten: Großwärmespeicher für die Nutzung von Energiespitzen
  • am wichtigsten: Wasserstoffspeicher für Mobilität und Wärme (Brennstoffzellen)
  • nicht zu vergessen: Wasserstoffspeicher für industrielle Nutzungen

Reallabore brauchen Langfristspeicher.

4. Um dies überhaupt zu ermöglichen muss die Einspeicherung von erneuerbarem Strom in Wärme- und Wasserstoffspeicher endlich lastenfrei gestellt werden. Es ergibt keinen Sinn, darauf EEG-Umlage zu erheben. Gasspeicher kosten weniger als 10% gegenüber Akkus. Gas aus erneuerbarer Energie rechnt sich aber nicht, weil darauf unsinnigerweise EEG-Umlage zu zahlen ist und so ein Wettbewerb mit Gas und Öl in Wärme und Mobilität nicht möglich ist. Die Wasserstoffgewinnung sollte vielmehr beim Bau neuer Wind- und Solaranlagen verpflichtend werden, um den Netzausbau zu minimieren. Denn das Gasnetz kann zu geringsten Kosten viel mehr Energie transportieren als das Stromnetz. Die Wandlung in speicherbare Energieträger muss daher in unmittelbarer Nähe der Erzeugung erfolgen. So können die Fluktuationen aus der Erzeugung herausgeschnitten werden, ohne das Netz zu belasten. Und so entsteht mehr Wertschöpfung im ländlichen Raum.

Reallabore stehen in unmittelbarer Nähe zu Windkraft- und PV-Anlagen.

5. Der Neubau insbesondere von Windkraftanlagen dauert bis zu 10 Jahre, was offensichtlich viel zu lange ist. Auch grosse Solaranlagen erfordern jahrelange Planung. Um zügig Ergebnisse zu erlangen müssen also vorhandene Energieanlagen für Demonstrationsvorhaben einbezogen werden. So kann auch das in der Branche vorhandene Wissen umfänglich genutzt werden.

Reallaboren brauchen die heutigen Betreiber von Windkraft- und PV-Anlagen.

6. Wasserstoff- und Elektromobilität aus rein erneuerbaren Quellen muss so schnell wie möglich auf die Straßen und Schienen. Diese hat das Potenzial deutlich günstiger zu werden, als unsere heutigen Verbrenner. Auch das steigert die Akzeptanz.

Reallabore sind erneuerbare Mobilitätslösungen.

7. Akkumulatoren sind Kurzzeitspeicher. Es ist unmöglich, damit nennenswerte elektrische Speicherkapazitäten aufzubauen. Akkus sind allerdings für die Frequenzhaltung so gut geeignet, dass heute eine Förderung von Akkumulatoren bereits nicht mehr erforderlich ist – sie rechnen sich am Markt. Sicher sollten Reallabore auch Primärregeleinheiten auf Basis von Akkumulatoren umfassen, diese sollten aber zur Vermeidung von Marktverzerrungen nicht gefördert werden und auch nicht dem regulierten Bereich zugeordnet werden.

Reallabore fördern keine Akkumulatoren.

8. Die seit Jahren bestehenden Möglichkeiten, Windenergie statt abzuregeln vor Ort in den Windenergieregionen für die billige Heizung von Orten zu nutzen muss zügig angegangen werden. Dies ist eine der größten Akzeptanzmaßnahmen, spart der Bevölkerung teures Heizöl und uns allen CO2.

Reallabore nutzen Energiespitzen für Heizen und Kühlen.

9. Erneuerbare Energie kann und muss gut bezahlte hochqualifizierte Arbeit in den ländlichen Raum bringen. Dafür bedarf es finanzieller Anreize. Zum Beispiel könnte eine Windenergieabgabe eingeführt werden, welche ein Unternehmen mit den Lohnkosten seiner Mitarbeiter im ländlichen Raum verrechnen kann. Auch dies würde die Akzeptanz deutlich erhöhen.

Reallabore bringen Arbeit in ländliche Räume.

10. Die Ausweisung von Flächen für Windenergie muss auf deutlich erhöht werden. Etwa 4% der Fläche Deutschlands wird für Windenergie insgesamt benötigt – Brandenburg sollte einen höheren Anteil haben. Die Folge einer zu geringen Ausweisung ist die derzeitige Standortverknappung mit explodierenden Standortpreisen. Die Lasten tragen die Stromkunden und in den Dörfern entsteht sozialer Unfrieden, weil einige wenige unverdient reich werden.

Reallabore ermöglichen weitere Flächenausweisungen für erneuerbare Energie.

11. Flächenausweisungen erfordern kommunale Planung. Immer wieder zeigt sich, daß dort, wo keine Planung oder gar eine Verhinderungsplanung erfolgt, Unfrieden entsteht. Wo aber Unternehmen professionell mit Kommunen eine gemeinsame Bauleitplanung durchführen entstehen starke Mehrheiten für erneuerbare Energien, insbesondere auch für Windkraft.

Reallabore binden die Kommunen in die Planung ein.

12. Damit alle Energiesektoren gleichermassen CO2-frei werden, müssen alle Energieträger entsprechend ihrer CO2-Emission gleich belastet werden (level-playing-field). Solange fossile Energieträger deutlich geringer Abgaben und Umlagen zu tragen haben als erneuerbarer Strom kann Sektorkopplung unmöglich wirtschaftlich werden.

Reallabore sind von allen Abgaben und Umlagen auf Energie befreit, da sie kein CO2 erzeugen.

13. Der Einsatz von IT ist sicher auch für Reallabore sinnvoll und erforderlich. Er darf jedoch nicht im Vordergrund stehen. Mit Digitalisierung lässt sich Energie weder erzeugen, noch transportieren oder verteilen. Sofern aber eine Förderung (wie bei SINTEC) nur über wenige Jahre anteilig auf die Abschreibung der geförderten Anlagen erfolgt, würden nur IT-Projekte gefördert, welche innerhalb von 3-5 Jahren abgeschrieben werden. Energieanlagen mit Abschreibungsdauern zwischen 20 und 40 Jahren erhielten danach nur ca. 5% Förderung. Hier bedarf es anderer Förderrichtlinien, welche insbesondere auch anfänglich höhere (als im Vergleich zu fossilen Anlagen) Betriebskosten fördern.

Reallabore fördern unmittelbar Energieerzeugung, Speicherung und ihre hocheffiziente Nutzung.

14. Das Verbundkraftwerk Uckermark ist das erste Reallabor und wird seit 2000 systematisch ausgebaut. Es verfügt heute über 650 MW Leistung aus über 300 Windkraft-, Biogas und PV-Anlagen, zentral von einer Warte gesteuert. Wasserstofferzeugung und Wasserstoffspeicherung sind ebenso wie Rückverstromung bereits integriert und schnell ausbaufähig. Alle Anlagen sind über eigene LWL-Leitungen direkt erreichbar, was beste Voraussetzungen für eine stabile Regelung bietet. Eine 22-MW-Akkumulatoranlage zur Frequenzhaltung wird gerade in Betrieb genommen.

300 hochqualifizierte Mitarbeiter sind am Standort des Verbundkraftwerkes Uckermark tätig und sorgen für den täglichen Betrieb und kontinuierlichen Ausbau.

Das Verbundkraftwerk Uckermark bietet insgesamt ideale Voraussetzungen für die weitere Integration von Speichern, Gaseinspeisung und Wärmeauskopplung in einem ganzheitlichen Ansatz. Der Ausbau zu einem vollwertigen Kraftwerk, welches bedarfsgerecht Strom, Wärme und Treibstoff liefert geht hier zügig voran.

Mit dem Verbundkraftwerk Uckermark möchten wir dazu beitragen, dass Brandenburg als Reallabor zum bundesweiten Leuchtturm für Arbeitsplätze und Akzeptanz in der Energiewende wird.

Fliegen ist 100 mal umweltschädlicher als Bahnfahren

Der Energieverbrauch des Flugverkehrs in Deutschland beträgt etwas über 100 TWh (hier aus 389 PJ = 108 TWh auf S. 11 nachlesbar) für ca. 250 Mio. Passagiere. Das ergibt ca. 400 kWh pro Passagier.

Der Energieverbrauch des Bahnverkehrs in Deutschland beträgt ca. 16 TWh (das ist u.a. hier ablesbar, wobei dort auf S. 38 auch der Güterverkehr umfaßt ist) für über 2.2 Mrd. Passagiere (nur Deutsche Bahn). Das ergibt weniger als 7 kWh pro Passagier.

Der Flugverkehr benötigt also etwas das 400/7-fache oder etwa das 60-fache an Energie des Bahnverkehrs.

Während der Flugverkehr aber 100% fossile Energie verbraucht, ist der Bahnverkehr schon zu etwa 1/3 erneuerbar, da die Bahnen grösstenteils mit Strom fahren, welcher ca. 40% erneuerbare Energie enthält.

Das zusammengenommen bedeutet, dass der Flugverkehr pro Passagier 100 mal mehr CO2 ausstößt als der Bahnverkehr.

Möchte noch jemand einen Flug buchen?

Über unsere Verhältnisse

Der Wärmeinhalt der Ozeane hat sich seit 1985 um ca. 30*10^22 Joule (=Wattsekunden, Ws) erhöht*. Das entspricht einer mittleren Leistung über diese Zeit von 317 TW oder 317 Milliarden Kilowatt, wie folgende Formel zeigt:

\dfrac {30\times 10^{22}Ws}{\left( \dfrac {3600s}{h}\right) \left( 32a\right) \left( 8760\dfrac {h}{a}\right) \left( 10^{12}\right) }=317 TW

Die Bedeutung dieses Wertes ist nur zu verstehen, wenn man ihn ins Verhältnis zu unserem Energieverbrauch setzt. Dieser liegt bei 500 EJ/a, wobei ein EJ = ExaJoule = 10^18 Joule ist. Das sind 16 TW, wie hier ersichtlich:

\dfrac {500\times 10^{18}Ws}{\left( \dfrac {3600s}{h}\right) \left( 8760\dfrac {h}{a}\right) \left( 10^{12}\right) }=16TW

Diese 16 Terrawatt oder 16 Mrd. Kilowatt entsprechen etwa 2 Kilowatt pro menschlichen Erdenbewohner. Das verrückte dabei aber ist, daß die Leistung, mit welcher sich die Ozeane erwärmen 20 mal so groß ist, wie die Leistung unseres gesamten menschlichen Energiesystems. Man steckt 1 kWh rein und erhält 20 kWh! Dies ist kein perpetum mobile, sondern Ausdruck der gewaltigen Kraft, welche den Klimawandel hervorruft.

Dieses Verhältnis zeigt, wie sehr wir über unsere Verhältnisse leben.

Was auch folgendes Verhältnis zeigt:

Die Energie der über Nagasaki abgeworfenen Kernwaffe lag bei 21 kT TNT = 21.000.000 kg TNT. Ein kg TNT entspricht ca. 4,2 MJ.

Setzt man die o.g. Energie, um welche sich die Ozeane in den letzten 30 Jahren erwärmt haben, ins Verhältnis zur Energie der Nagasakibombe, so erhält man 3.4 Bomben pro Sekunde:

\dfrac {30^{22}Ws}{21000000kg\left( 4,2\times 10^{6}\dfrac {Ws}{kg}\right) \left( 32a\right) \left( 8760\dfrac {h}{a}\right) \left( 3600\dfrac {s}{h}\right) }=\dfrac {3,4}{s}

Das ist ein einigermaßen gruseliges Ergebnis: über 3 Plutoniumbomben der Nagasakiklasse PRO SEKUNDE sind dieselbe Energie, welche die Ozeane derzeit erwärmt.

Da scheint es eher erstaunlich, dass der Klimawandel nicht schneller vorangeht.

*Anmerkung: Dies entspricht übrigens einer mittleren Erwärmung der oberen 2000 m Wassertiefe von 0,1 Grad Celsius, was sich wie folgt aus 12742 km Erddurchmesser, 70% Anteil der Wasseroberfläche an der gesamten Erdoberfläche, der Dichte des Wasser von 1000 kg/m^3 und der Wärmekapazität des Wasser von 4182 Joule/kg/K ergibt:

\pi \left( 12742\times 10^{3}m\right) ^{2}\times 2000m\times 70\% \times 1000\dfrac {kg}{m^{3}}\times 4182\dfrac {W_{s}}{kg\cdot K}\times 0,1K=30\times 10^{22}Ws

Wie teuer darf der Kohleausstieg werden?

Ein guter zweistelliger Milliardenbetrag, heist es, sei für den Kohleausstieg nötig. Das bedeutet, dass die 82,79 Millionen Einwohner unseres Landes gemeinsam für jeden Einzelnen der 0,02 Mio. Kohlekumpel über 1 Mio. € bezahlen. Ist es das wert?

Und das, obwohl die Kohlekraftwerke in den nächsten Jahren aufgrund der steigenden Preise für CO2-Zertifikate auch ganz ohne Entschädigung wegen Unwirtschaftlichkeit von selbst und ganz ohne Entschädigung vom Netz gehen werden. Auch die in Rede stehenden 600 Mio. € pro Gigawatt (600 € pro Kilowatt) Entschädigung für die Stilllegung von Kohlekraftwerken, entsprechen über 50% der Neubaukosten von von heutigen Windkraft- oder Solaranlagen.

Dabei ist es ein Irrglaube, daß die Energiewende immer noch die Strompreise erhöht. Das Gegenteil ist der Fall, denn die Summe aus Börenstrompreis und Alt-EEG-Umlage liegt heute bei ca. 9 ct/kWh, während die tatsächlichen Kosten erneuerbare erzeugten Stromes aus Neuanlagen bei 6 ct/kWh liegen. Der Neubau fossiler Kraftwerke wäre sogar noch teurer. Das bedeutet ganz klar: Erneuerbar ist längst billiger als alle „Alternativen“. Je schneller der Ausbau erneuerbarer Energien erfolgt, desto günstiger wird es für die Stromkunden.

Demzufolge ist auch die geplante Entlastung der energieintensiven Industrie von angeblichen Mehrkosten reine Geldverschwendung. Schnell den Anteil billiger erneuerbarer Energie auch für diese Industrien zu erhöhen ist der sinnvollere Weg. Und wenn es geopolitisch nötig sein sollte, darüber hinaus diese Industrien zu fördern, dann bitte offen und direkt aus dem Staatshaushalt und nicht verdeckt zu Lasten der Allgemeinheit.

Und eines noch: das Letzte, was die hoch qualifizierten Menschen in den Kohleregionen brauchen, sind neue Behörden. Die Menschen dort können Ihr Wissen viel besser für den Ausbau erneuerbarer Energien einsetzen, denn für Energie und Maschinenbau sind sie perfekt ausgebildet. Es wäre ein Jammer, diese Fähigkeiten in der Verwaltung zu verschleissen.

Jetzt oder nie

NRW fordert vor Kohle-Gipfel zweistelligen Milliardenbetrag. Dürfen es ein paar Milliarden mehr sein?

Das ist dreist! Die Kohlekraftwerker oder zumindest deren Führung wissen ganz genau, dass sie bei den gegenwärtig steigenden Preisen für CO2-Zertifikate in Europa in Kürze nicht mehr wettbewerbsfähig sein und deshalb entschädigungslos sich selbst abschalten werden.

Dem wollen sie nun mit absurden Entschädigungsforderungen zuvorkommen. Aber warum soll man jemandem, der ein totes Pferd reitet, dieses auch noch abkaufen?

Fragen an das Jahr 2019

Für das Jahr 2019 wünsche ich mir von Euch allen Antworten auf folgenden Fragen:

1. Was ist zu tun, damit Windkraftanlagen nicht mehr abgeregelt werden und mit dieser Energie statt dessen ganz Norddeutschland zum halben Ölpreis beheizt werden kann? https://enertrag.org/endlos/technische-loesungen/1051-2/

2. Wie kann erneuerbare Wasserstoffmobilität möglichst schnell Verbrennungsmotoren ablösen und damit CO2, Stickoxide und Lärm gleichzeitig beseitigen? https://enertrag.org/endlos/technische-loesungen/wasserstoffmobilitaet/

3. Wie können wir die unsinnige Diskussion über Netzausbau beenden und zum Wichtigen kommen: dem Gasnetz? https://enertrag.org/y/km/gasnetz/

4. Wie können Netzentgelte wieder sinnvoll werden? https://enertrag.org/y/netzentgelte/

5. Und wie kann das Dickicht von Abgaben und Umlagen auf Energie wieder nutzbringend geordnet werden? https://enertrag.org/2017/09/13/erster-blogbeitrag/

Und falls sich diese Fragen nicht beantworten lassen, dann bleibt nur noch eine einzige:

6. Wie wollen wir dann noch Akzeptanz für die Energiewende erreichen?

Dark sky und dann doch nicht?

Der Entwurf des Energiesammelgesetzes befaßt sich auch mit der bedarfsgerechten Nachtkennzeichung von Windenergieanlagen, kurz BNK oder auch dark sky genannt. Das ist sehr gut.

Es geht dabei um nichts anderes, als das dem umweltschädlichsten aller Verkehrsmittel, dem Luftverkehr, geschuldete rote nächtliche Dauerblinken abzustellen und nur dann in Betrieb zu nehmen, wenn sich tatsächlich ein Luftfahrzeug nähert. Es geht um ein gutes Stück Akzeptanz erneuerbarer Energie. Um unsere gemeinsame Zukunft.

Der im EEG dazu neu geplante § 9 Absatz 8 läßt aber im derzeitigen Entwurf eine Technologievorfestlegung befürchten, die einer schnellen und sicheren Einführung und Umsetzung von BNK diametral entgegenwirken würde.

Artikel 1, Ziffer 3 (Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes) sagt im Entwurf nämlich: „Die Pflicht nach Satz 1 kann durch eine Einrichtung zur Nutzung von Signalen von Transpondern von Luftverkehrsfahrzeugen erfüllt werden.“

Solche Transponder aber gibt es derzeit garnicht. Das bedeutet, daß man sich mit dem Einbau einer nicht zugelassenen und also nicht funktionierenden Transpondertechnik von der Pflicht zur BNK, von dark sky, für billiges Geld freikaufen könnte – und die roten Leuchten blinken fröhlich weiter. Eine größere Katastrophe für die Glaubwürdigkeit der Energiewende ist kaum vorstellbar.

Zu Einzelheiten siehe die die Stellungnahme von dark sky hier.

Die Uckermark steht nach über 10 Jahren Entwicklung kurz vor dem Durchbruch, um das Dauernblinken der Windräder abzuschaffen und so einen wichtigen Beitrag zur Akzeptanz von erneuerbaren Energien in Deutschland und Europa zu leisten.

Eingesetzt wird dafür gesundheitlich unbedenkliche moderne Radartechnik. Mit nur 2 Radarmasten können 400 Windkraftanlagen dunkel geschaltet werden. Ein Radarmast ist genehmigt, der andere steht kurz vor Genehmigung. Die Inbetriebnahme ist bis Sommer 2019 vorgesehen.

Es besteht aber derzeit die Gefahr, dass es zu einer gesetzlichen Vorfestlegung auf eine bisher garnicht existierende Transponderlösung im Energiesammelgesetz/EEG kommt, obgleich die Deutsche Flugsicherung noch erheblichen Klärungsbedarf im Hinblick auf Sicherheitsfragen sieht siehe Energate vom 21.11.2018.

Dort heisst es „Während verfügbare Lösungen zur bedarfsgerechten Nachtkennzeichnung Radar nutzen, basiert das Transponder-Modell darauf, dass Flugzeuge entsprechende Signale senden. Diese werden von einer Box am Windpark empfangen. Nicht alle Flugzeuge verfügen jedoch über entsprechende Systeme an Bord. Für Privatflieger sind sie nicht verpflichtend. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) äußerte gegenüber energate Vorbehalte gegen den Plan, die Lösung für die bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung zu nutzen: „Wir sind der Auffassung, dass die bislang genutzte Technologie mittels Radar bewährt ist und vor allem sicher.“ Bei der Transpondertechnik seien noch einige Fragen ungeklärt. “ Diese für die Sicherheit wesentliche Frage konnte bislang noch nicht geklärt werden“, so die DFS.

Es besteht die Gefahr einer energiepolitisch ungewollten Pattsituation, in der der Einsatz von Transpondern aus Sicherheitsbedenken nicht umgesetzt werden kann und gleichzeitig Windkraftbetreiber in Warteposition bei der Umsetzung der BNK bleiben, da die Rahmenbedingungen unklar sind.

In der Uckermark würde dies dazu führen, dass anstelle von 400 Windenergieanlagen nur ca. 100 Windenergieanlagen im kommenden Jahr mit einem BNK System ausgestattet werden, weil die Mehrzahl der Betreiber abwarten würde, um mit einem vermeintlich billigeren Transpondersystem Geld zu sparen.

Für eine wirklich technologieoffen Gestaltung der BNK ist für die Akzeptanz erneuerbarer Energie also unerläßlich.

Hierzu ist Artikel 1, Ziffer 3, Satz 3 des Energiesammelgesetz (siehe o.g. Link zur Stellungnahme) aus dem Gesetzentwurf zu streichen oder zu ersetzen durch eine Formulierung, welche die Regelungen der Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrthindernissen (AVV) als Vorgabe für die technische Realisierung von BNK-Projekten nennt.

Gut gemeint ist nicht gut

Wer wundert sich nicht darüber, warum die Energiewende so chaotisch und widersprüchlich daherkommt? Warum alles so langsam geht?

Und immer öfter fallen Sätze wie dieser: „Leider haben es die personellen Kapazitäten unsers Verbandes nicht zugelassen, zu dem Punkt der aktuell verhandelten Gesesetzgebung eine Stellungnahme zu verfassen.“

Kein Wunder, wenn Gesetze und Regeln nur noch im Eilverfahren durchgeprügelt werden. Kein Wunder, wenn für Stellungnahmen nur die Zeit von 20 Uhr abends bis 10 Uhr morgens bleibt. Kein Wunder, wenn Regelwerke immer dicker werden und sie niemand mehr wirklich versteht.

Dieser Regelungswut gilt es Einhalt zu gebieten. Der Wunsch nach Regelung und Abschaffen von Ungerechtigkeiten ist nachvollziehbar. ABER: Leider hat fast jede Regelung einer Ungerechtigkeit mehrere neue Ungerechtigkeiten zur Folge, die dann alle wieder geregelt werden wollen.

Das Ergebnis ist eine Regellavine.

Erkennen wir einfach an, daß das Leben sich nicht in perfekte Regeln fassen lässt. Erkennen wir einfach an, daß weniger Regeln mehr Gerechtigkeit bedeuten, wenn nur die wenigen Grundregeln klar sind.

Und eine dieser Grundregeln lautet, daß es möglichst gerecht zugehen sollte – was aber immer wieder neu zu entscheiden und nicht regelbar ist. Die Alternative wäre nur eine vollkommen geregelte Welt voller Ungerechtigkeiten.

Also ersetzen wir das völlig verwucherte EEG durch nur 2 Paragraphen:

1. Das Inverkehrbringen von Maschinen und Apparaten, welche Kohlendioxid emittieren, ist untersagt.

2. Alle Abgaben und Umlagen auf Energie und Energieträger sind ausschließlich pro deren CO2-Emissionen zu erheben, und zwar gleichermaßen für alle Energien und Energieträger.

Alles andere, was für eine erfolgreiche Energiewende erforderlich ist, würde sich dann von selbst regeln.

Ist es eine Utopie, nur so wenige Regeln zu haben? Aber wenn wir das nicht schaffen – was wird dann mit uns geschehen?