Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da. Dark sky: Windkraft zum Verlieben.

Am 24. Mai 2019 beginnt nach 20 Jahren Arbeit die Abschaltung der Flugsicherheitsbeleuchtung in der Uckermark. Die Einbindung der Windkraftanlagen in das dark-sky-System wird nun nur noch einige Monate erfordern. Dann sieht man wieder nur noch die Sterne in der Nacht. Romantisch wie eh und je. Mehr dazu hier.

Die Geschichte von Dark Sky ist lang. Bereits 1998 mit Inbetriebnahme der ersten über 100 m hohen Windenergieanlagen war sofort klar, dass dieses helle Blinken kein Dauerzustand sein kann. Der Konflikt zwischen Windkraft und Luftverkehr, beides dank aerodynamisch geformter Flügel eigentlich Kollegen, musste irgendwie gelöst werden. Und das mit höchster Sicherheit.

Zunächst konzentrierten sich die Mitarbeiter von ENERTRAG darauf, das Licht so dunkel wie zulässig zu machen. Eine der ersten Ideen war die Flügelspitzenbefeuerung. Damit konnte der höchste Teil der Anlagen sichtbar gemacht werden, was mit einer deutlichen Verringerung der Sichtbarkeit verbunden war. Wegen der Schwierigkeiten, die Befeuerung in die Rotorblätter einzubinden, wird diese Technik vorraussichtlich erst bei sehr langen Blättern eingesetzt werden.

Dann wurde die Sichtweitenregulierung wurde eingeführt, d.h. bei klarem Wetter wurden die Lampen dunkler, bei diesigem automatisch heller. Damit wurden alle Anlagen ausgerüstet. Mit zunehmender Anzahl nahm die Wahrnehmbarkeit der roten Lichter allerdings wieder zu.

Die Lösung konnte nun nur sein, die Lichter abzuschalten, wenn kein Flugzeug in der Nähe ist – und das ist in den meisten Regionen fast immer so. Also bedarfsgerecht einschalten. Aber wie?

Es brauchte viele Jahre, viele technische Versuche und viele Abstimmungen mit Luftfahrt und Ministerien, bis die bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung endlich zugelassen war. Die Schwierigkeit bestand daran, Luftfahrzeuge zuverlässig zu erkennen und ein ausfallsicheres Signal an alle Windkraftanlagen zu geben „die Luft ist rein.“

Die ersten dark-sky-Lösungen kosteten noch über hunderttausend Euro pro Anlage. Doch durch den großflächigen Einsatz ist es gelungen, die Kosten um über 90% zu senken, so dass sich jeder Betreiber nun ohne weiteres daran beteiligen kann.

Und so einfach funktioniert es: mehrere Radarsysteme mit völlig ungefährlich kleiner Leistung überwachen parmanent den Himmel und stellen für hunderte Anlagen das Signal „Befeuerung AUS“ bereit.

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Sobald ein Flugzeug erkannt wird oder aber der Signalweg zu den Windkraftanlagen unterbrochen ist, geht automatisch die Flugsicherheitsbefeuerung an.

Damit steht jedermann ein günstiges System zur Verfügung, um rechtzeitig die inzwischen im Gesetz verankerte Pflicht zur bedarfsgerechten Nachtkennzeichnung umzusetzen.

Ein letztes Hindernis gibt es aber noch: die derzeitige Rechtslage lässt insbesondere auch  Transpondersysteme ausdrücklich zu, obwohl sie aus Gründen der Flugsicherheit nicht eingesetzt werden dürfen. Der Grund ist einfach: ein im Flugzeug befindlicher Transponder kann ausfallen, ohne dass die Information darüber die Windkraftanlagen erreicht. Damit würde die Befeuerung nicht angehen, und es käme zur Katastrophe. Obwohl Transponderlösungen nicht unbedingt günstiger sind, als radarbasierte Systeme, warten viele Betreiber derzeit ab und hoffen auf die unwahrscheinliche Transponderlösung. Hier sollte der Gesetzgeber schnell klarstellen, dass nur zugelassene und funktionierende Systeme der Pflicht zur bedarfsgerechten Nachtkennzeichnung genügen.

Dann wird es endlich überall heissen: Dark Sky – Windkraft zum Verlieben.

 

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