Wie klimaschädlich ist Wasserstoff?

Wenn Wasserstoff in die Atmosphäre entweicht, schade er dem Klima deutlich stärker als Kohlendioxid, erklärte Andrea Lübcke von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) jüngst: „Wasserstoff hat zwar keine direkte Klimawirkung. Weil Wasserstoff aber die Zusammensetzung der Atmosphäre verändert, hat er eine indirekte Klimawirkung.“ Der Wasserstoff reagiere dort mit Hydroxid-Molekülen zu Wasser, so dass weniger Hydroxid für Reaktionen mit Treibhausgasen vorhanden sei. Dadurch steige der Ozongehalt in der Atmosphäre, auch das äußerst klimaschädliche Methan würde langsamer abgebaut. Das Resultat sei erschreckend: „Die indirekte Klimawirkung von Wasserstoff ist auf einen Zeitraum von 20 Jahren um den Faktor 33 höher als die Klimawirkung von Kohlendioxid“, sagt Lübcke.

Was so erschreckend klingt, ist tatsächlich aber Unfug. Schon die Annahme, man bräuchte Hydroxide für die Reaktion mit Treibhausgasen setzt unausgesprochen voraus, dass wir Menschen weiterhin solche freisetzen, insbesondere Methan – was wir aber nicht tun sollten. Das ist aber nicht das Problem, sondern Acatech versäumt hier sträflich, die Dinge zueinander in Bezug zu setzen. Holen wir das nach:

Wir kommen in Deutschland von einem jährlichen CO2-Ausstoß von 1 Mrd. Tonnen sind nun bei unter 0,7 Mrd Tonnen, die zu 100% in die Luft gehen.

Der H2-Bedarf in Deutschland wird ca. 0,02 Mrd. Tonnen (entsprechend 600 Mrd. kWh) betragen. Wenn davon 0,1% entweichen dann geraten 20.000 Tonnen H2 in die Luft. Wenn die dann 33 mal „klimaschädlichen“ sind, dann entspricht das 660.000 Tonnen CO2, also nur einem Promille der Klimaauswirkungen der heutigen CO2-Emissionen. Damit können wir locker leben. Logischerweise gilt das so für die ganze Erde:

Wasserstoff ist also praktisch nicht klimaschädlich, denn 1 Promille „Klimawandel“ ist weder messbar noch tut es was zur Sache.

Wir brauchen also keine strikten Vorkehrungen gegen H2-Lecks- dafür ist grüner Wasserstoff ja zu teuer. Die Firmen passen schon von alleine auf, dass möglichst nichts von dem teueren Gut entweicht.

Übrigens geraten weltweit auch über 8 Mrd. Tonnen CO2-Gleichwerte in Form CH4 jährlich in die Luft. Der weltweite H2-Bedarf wird bis zum 1000-fachen des deutschen erreichen – aber selbst dann, entsprechend die damit verbundenen Leckagen 0,66 Mrd. Tonnen CO2 – also wieder nur 10% des Schadens, den die Erdgaswirtschaft heute allein durch Leckagen verursacht, also noch vor Verbrennung des Methans.

2 Gedanken zu „Wie klimaschädlich ist Wasserstoff?“

  1. Die Entwarnung beruht leider auf der kühnen Annahme „0,1 % Verlust“. Wer sagt, dass es nicht 1 oder 5 % sind, wie beim Erdgas? Das ist auch teuer. Veranlasst die Produzenten aber nicht, die Leckagen zu verringern.

    1. Als Betreiber von H2-Anlagen würde ich unseren Verantwortlichen die Ohren langziehen, wenn da 1% verlogen ginge. Wir stellen das Zeug ja aufwendig her. Bei Methan ist das anders – das kommt von selbst aus der Erde und die Verluste treten alle an der Quelle oder auf Leitungen auf, die auf tauendem Permafrostboden stehen und rissig werden. In unserem Leitungsnetz ist praktisch alles dicht.

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