Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist 20 Jahre. Gratulation!

Seit dem 25.2.2020 ist das EEG nun 20 Jahre alt und hat unsere Energiewirtschaft von Grund auf verändert. Tausende neue Firmen sind entstanden, welche Anlagen zur erneuerbarer Stromgewinnung bauen, planen, betreiben und instandhalten – und Millionen Menschen haben sich an Stromerzeugungsanlagen beteiligt. Die alte Energiewirtschaft, die anfangs noch glaubte, mehr als 4% „Ökostrom“ sei sowieso nicht drin, hat grösstenteils tatenlos zusehen müssen und ist seitdem auf dem Rückzug, ihre verbliebenen Stellungen heftig verteidigend – siehe Kohleausstieg, wo für die wenigen verbliebenen Arbeitsplätze 200.000 Euro pro Job herausgehandelt wurden.

Während dessen sind Wind- und Solarstrom ungeahnt preiswert geworden und erreichen inzwischen einen Preis von 5 ct/kWh. Immer mehr Menschen versorgen sich daher selbst mit erneuerbarem Strom.

Leider hält das viele nicht davon ab, von immer noch teuerer Energiewende zu reden, so wie die FAZ vom 31.3.2020 einige Ökonomen zitiert. Tatsächlich ist das, was dort wiedergegeben wird blamabel – diese Ökonomen scheinen ihr Wissen nur aus der Zeitung zu haben. Die EEG-Umlage hat nämlich rein garnichts mit „Mehrkosten“ zu tun, wie hier unter 4. nachzulesen. Die Behauptung, es hätte kostengünstigere Alternativen als das EEG gegeben ist Unfug und wurde auch nie bewiesen. Sicher ist die teuere Bioenergie im EEG überflüssig und auch Offshore ist wegen der Kosten höchst fragwürdig – aber das sind politische Entscheidungen, die man dem EEG an sich nicht anlasten kann. Ohne diese Technologien wäre unser Strom sicher billiger, allerdings gibt es noch grössere Strompreistreiber.

Auf der immer wieder gern zitierte Reinhard Hüttl wird nicht müde die Kosten zu erwähnen, statt der Vorteile und sagt „Trotz der erheblichen installierten Leistung an Erneuerbaren wären wir in Deutschland bis auf weiteres nicht in der Lage, für Minuten und Stunden, geschweige denn Tage die konventionellen Kraftwerke vollständig abzuschalten“. Das Satz suggeriert: ohne Kohle geht es nicht. Aber er ist genauso dumm wie der Satz „Ohne Pferde wird die Volkswirtschaft zusammenbrechen“ im Jahr 1850 war. Mit dem Blick zurück kann man nicht nach vorne sehen. Wie ein vollständig erneuerbares System funktioniert ist hier oder auch hier skizziert.

Auch Professor Hüttl ist dem Irrglauben verfallen, unser Land müsste dauerhaft 70% seines Energiebedarfes importieren. Nein, mit Sicherheit nicht. Wenn wir nämlich eine 100%-erneuerbare Stromversorgung aufbauen, und genau das tun wir, dann entsteht automatisch ein riesiges Überangebot an erneuerbaren Strom, welcher in Wasserstoff- und Wärmespeicher eingespeichert werden wird und dann für Verkehr, Industrie und Heizen zur Verfügung steht. Wer also massiv Wasserstoff importieren will, der will gleichzeitig bis zur Hälfte der erneuerbaren Stromproduktion abregeln – oder hat diesen Zusammenhang schlicht nicht verstanden.

Das EEG ist übrigens auch viel besser als der lahmende Emissionshandel – denn es ist ein klares Gesetz mit klaren Zielen, welches den neuen Akteuren Handlungsspielraum gibt. Der Emissionshandel leidet von Anfang an darunter, dass die Lobbyisten der alten Energiewirtschaft unter der Flagge der Ökonomie den CO2-Preis nahe Null hielten. Ohne EEG hätte der Ausbau der erneuerbaren Stromgewinnung niemals die erforderliche Kraft und Geschwindigkeit erreicht.

Und warum sehen wir dann heute einen Rückgang beim Zubau, wo doch alle wissen, dass eine Beschleunigung not tut? Es liegt weder an Bürgerprotesten noch am Netzausbau. Nein, die 2016 ins EEG eingeführten Ausschreibungen haben dazu geführt, dass sich nur noch wenige finanzstarke Unternehmen zutrauten weiterhin Millionenbeträge in neue Planungen zu investieren. Viele haben sich vom Markt zurückgezogen, weil sie keine Sicherheit mehr spüren, dass jahrelange Arbeit und hohe Geldausgaben sich jemals lohnen. In wessen Interesse war wohl diese Änderung im EEG?

Alles in allem: Große Gratulation! Und der alte, wenngleich nicht besonders kluge Satz „Viel Feind – viel Ehr!“ möge ausnahmsweise hier mal gelten.

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