Warum ist es so schwer?

Millionen Menschen konnten sich für Autos, Autobahnen, Fabriken, Flugzeuge, Kernkraftwerke, Kohlegruben, Raumschiffe und Zigaretten begeistern. Nur letzteres davon schadete einigen davon – der Rest allen, wie wir längst wissen. Der gewaltige Ausstoß von Kohlendioxid lässt die Temperatur der Weltmeere rasant steigen, infolge dessen gelang immer mehr Wasserdampf in die Atmosphäre und immer mehr nie dagewesene Unwetter vernichten die Werke unserer Vorfahren.

Warum aber ist die Begeisterung für die Lösung dieses Problems, die Begeisterung für Solarenergie, für Windkraft, für Wasserstoff immer noch gering gegenüber jener für Autos bis Zigaretten?

Es gibt wohl wie so oft mehrere Ursachen:

1. Immer weniger Menschen beschäftigen sich im öffentlichen Austausch mit Wissenschaft – weil sie es nicht können aber mitreden dürfen. Statt fundierte und nachvollziehbare Werte und Berechnungen auszutauschen, sehen wir weit überwiegend die ganze Palette von Ahnungslos über Beleidigungen, Behauptungen, Haß bis Verleumdung und Zerstörungswut.

2. Einen wesentlichen Beitrag dazu haben die sozialen(?) Medien geleistet, die letztendlich den Stammtisch der Vergangenheit ersetzen – nur dass dort der Teilnehmerkreis deutlich größer als sechs Personen ist und oft weit in die Tausende geht. Wenn aber Stammtischparolen eine solche Verbreitung erlangen – wen wundert dann das Ergebnis?

3. Die Wissenschaftler, deren Vorgänger vollmundige Versprechen bei Kernenergie und Kernfusion machten, haben bezüglich der drohenden Gefahren schlecht kommuniziert. Von „2 Grad“ zu sprechen, war sicher wissenschaftlich korrekt – aber wirkungslos. Hätten die Erbauer unserer Kernkraftwerke von 6 Terrawattstunden pro Kraftwerk gesprochen, dann hätte das auch keiner verstanden. Nein, versprochen wurde unendlich billige Energie für alle. Beim Klimawandel aber kommt es darauf an, den Menschen verständlich zu machen, dass es hier gleichzeitig um gewaltige Unwetter, Starkregen, Stürme, Dürren, Hitze und extreme Kälte geht – rund um den Globus und ohne Vorhersage. Und das wir dies mit erneuerbarer Energie vermeiden können.

4. Die Art der Wissensvermittlung hat sich stark zuungunsten des Wissens verändert. Noch im 20. Jahrhundert war das Wort der Wissenschaft unanfechtbar. Wer den mühsamen Weg zu den Höhen der Wissenschaft zurückgelegt hatte und deren Grundprinzip der wiederholt nachweislichen Bestätigung aller Aussagen einhielt, dem wurde geglaubt. Das Wissen wurde von oben nach unten verbreitet. Zu Beginn des dritten Jahrtausends ist es eher umgekehrt: das Unwissen verbreitet sich von unten nach oben.

5. Unser Wohlstand stand uns ebenso viel zu lange im Wege. Wer sich einmal daran gewöhnt hat, dass Energie im Überfluss da ist und so wenig wie nie in der Menschheitsgeschichte kostet, dem fällt es schwer, die Gefahren zu sehen. Es ist wie im Rausch: manche steigen da sogar noch ins Auto.

6. Unser Wirtschaftssystem der letzten Jahrhunderte lebte von billiger Energie und der kostenlosen Entsorgung der Abfälle in die Luft. Damit verdienten Autobauer, Energieversorger, Gasförderer, Kohlegruben, Ölfelder, Tankstellen und deren Zulieferer mehr als der Rest der Menschheit. Ein starke Lobby, der keine Politik widerstand.

7. Und: Wir haben so wenig Zeit. Die Erderwärmung geht viel schneller als befürchtet. Während für die Einführung der Dampfmaschine, den Aufbau der Eisenbahn, die Automobilindustrie und selbst für die Kernkraft immer ein Jahrhundert zur Verfügung stand, bleibt und nur ein Viertel davon. Und das für den größten technischen Wandel der Menschheitsgeschichte.

Dennoch sollten wir nicht verzweifeln. Not macht erfinderisch und die exponentiellen Wachstumsraten von Solar, Wind, E-Mobilität und bald auch Wasserstoff zeigen, dass es noch schaffbar ist – dieses Weltprojekt Energiewende.

Lasst Euch nicht beirren. Bleibt auf Kurs!