Netzentgelte

Y

Die Kosten für den Transport des Stromes über die elektrischen Netze werden Netzentgelte genannt. Solange Großkraftwerke kontinuierlich Strom lieferten war es der einfachste Weg, daß große Stromkunden pro maximaler bezogener Leistung ein Netzentgelt zahlten und kleine Stromkunden eine im Arbeitspreis enthaltene Pauschale.

Bei hohem Anteil erneuerbarer Erzeugung ist das nicht mehr sinnvoll, denn Strom soll möglichst dann genutzt werden, wenn er erzeugt wird und in Engpasszeiten soll der Bedarf möglichst klein sein. Netzentgelte sollten möglichst transpararent und klar sein und ohne Ausnahmeregelungen auskommen. Dazu dürfen sie nicht im Arbeitspreis enthalten sein. Netzentgelte sollen eine hohe Auslastung der Netze anreizen, um deren Kosten pro übertragener Energiemenge zu minimieren.

Um hierfür die erforderlichen Anreize zu setzen, ist es sinnvoll, die Netzentgelte pro Leistung abzurechnen – und zwar einmal pro gesicherter Leistung für die Bezahlung der erforderlichen Erzeugungskapazitäten und einmal pro maximal beziehbare Leistung für die Bezahlung der Netzkapazitäten. Es ergibt sich dann für jeden Stromkunden ein Erzeugungsleistungsentgelt und ein Übertragungsleistungsentgelt.

Das Erzeugungsleistungsentgelt zahlt der Stromkunde für die Leistung, über welche er jederzeit frei verfügen möchte.

Das Übertragungsleistungsentgelt zahlt der Stromkunde für die maximale Leistung, welche er beziehen kann, sofern genug Energieangebot und Übertragungskapazität vorhanden sind.

Wo keine intelligenten Zähler im Einsatz sind, kann eine solche Konstellation durch getrennte Sicherungskreise erreicht werden: die elektrischen Verbrauchen, welche eine gesicherte Leistung in Anspruch nehmen sollen, werden an einen eigenen Sicherungskreis mit z.B. 3 kW Maximallast angeschlossen. Das Erzeugungsleistungentgelt würde dann auf 3 kW basieren. Andere elektrische Verbraucher desselben Abnehmers, welche nur bei hohem Stromangebot Strom beziehen sollen (z.B. Wärmepumpe, E-Auto-Ladestation oder Hausakkumulator) werden über einen anderen separat z.B. mit 20 kW abgesicherten Stromkreis angeschlossen. Diese Verbrauchen können dann nur zugeschaltet werden, wenn seitens des Stromlieferanten ein entsprechendes Freigabesignal vorliegt und ihre summarische Leistung 20 kW nicht übersteigt (gegenseitige Verriegelung). Das Übertragungsleistungsentgelt würde dann auf 20 kW basieren.

Mit intelligenten Zählern, welche die Verbraucher des Stromkunden automatisch entsprechend seiner festgelegten gesicherten bzw. maximalen Leistung regeln, wäre die Umsetzung technische noch einfacher. Möglicherweise wird es sich bei solchen Zählern nicht mehr um klassische Stromzähler handeln. Es ist vor allem im Gebäudebereich ebenso denkbar, daß jeder einzelne physikalische Stromverbraucher (jedes Leuchtmittel, jede Herdplatte, jedes elektronische Gerät, jede Wärmepumpe usw.) seinen aktuellen Leistungsverbrauch an den Stromlieferanten meldet und daß die elektrischen Verbraucher, welche flexibel einsetzbar sind durch Fernsteuerungsinformationen entsprechen eingesetzt werden.

Diese Steuerungsinformation für die intelligenten Zähler sollte neben Leistungs- und Preissignalen sicherheitshalber auch aus der Netzfrequenz erzeugt werden. Bei Unterschreiten eines gewissen Frequenzbandes veranlassen die intelligenten Zähler der Stromkunden allmählich eine Leistungsbezugsverringerung bis auf den minmalen Wert. Umgekehrt kann mit wachsender Frequenz immer mehr Leistung abgefordert werden – bis zur maximalen bestellten Leistung.

Damit wird ein stabiler Netzbetrieb gesichert, ähnlich wie dies bei der Lösung des 50,2-Hertz-Problems bei der PV-Einspeisung in Deutschland bereits praktiziert wurde: alle PV-Anlagen wurden mit einer Software ausgestattet, welche bei Erreichen des 50,2-Hertz-Grenzwertes nach einem Zufallsprinizip ihre Leistung verringern. So entstand ein sehr weiches und flexibles Einspeiseverhalten, welches auch keinerlei IT-Unsicherheite aufweist.

Ein solches Vorgehen ist einheitlich und transparent für alle Stromkunden und einem System von Ausnahmen und Reduzierungen von Netzentgelten vorzuziehen. Es vermeidet auch Eingriffe der Netzbetreiber in das Betreiberverhalten, egal ob abregelnd oder verbrauchserhöhend – jeder Stromkunde kann sich über die gesicherte und die maximale Leistung optimieren und in Zeiten höheren Angebotes zum reinen Arbeitspreis Energie beziehen.

Die Abrechnung nach gesicherter und maximaler Leistung führt zur optimalen Netzauslegung nach Kundenwunsch ohne eine zuvor kaum ermittelbare Gleichwertigkeit von Flexibilität und Netzausbau vorauszusetzen.

Sonderregelungen für Bandkunden oder atypische Netznutzer entfallen bei einer solchen Lösung ersatzlos.

Erzeugungsanlagen sollen nicht an den Netzkosten beteiligt werden. Für sie müssen vielmehr Anreize gesetzt werden, um durch Power-to-X möglichst hohe Vollbenutzungsstunden bei der Einspeisung zu erreichen oder idealerweise bedarfsgerecht einzuspeisen. Eine Netzkostenbeteiligung würde dazu aber nicht führen, sondern eher zu mehr volkswirtschaftlichen Ausgaben für Netze anstatt für Power-to-X direkt an den Erzeugungsanlagen.